Mondkalender oder Aberglaube? Was ich in 5 Jahren beobachtet habe

Gestern stehe ich in der Küche und schaue auf meine Lauchzwiebeln auf der Fensterbank. Sie sind gerade einmal fünf Millimeter groß, kleine zarte grüne Spitzen, die sich aus der Erde schieben. Daneben der Salat, der so gut aussieht, dass er bald wieder raus kann. Solche Momente sind es, für die ich gärtnere.

Und dann fällt mein Blick, wie so oft im Vorbeigehen, auf den Mondkalender an der Küchenwand.

Vor fünf oder sechs Jahren habe ich ihn zum ersten Mal in die Hand genommen, einfach weil mich die Neugier getrieben hat. Was steckt dahinter? Funktioniert das wirklich? Ich wollte es selbst herausfinden.

Was der Mondkalender eigentlich ist

Wer zum ersten Mal mit dem Mondkalender in Berührung kommt, denkt vielleicht an Esoterik oder alte Bauernweisheiten. Ich habe das auch gedacht. Aber dahinter steckt ein durchdachtes System, das vor allem durch die Arbeit von Maria Thun bekannt wurde. Sie hat Jahrzehnte lang beobachtet, an welchen Tagen Pflanzen besonders gut keimen, wachsen, blühen oder Früchte ausbilden, und diese Beobachtungen in einen Kalender übertragen.

Das Grundprinzip: Der Mond durchläuft im Laufe des Monats verschiedene Tierkreiszeichen, die den vier Elementen Erde, Wasser, Luft und Feuer zugeordnet sind. Daraus ergeben sich Wurzeltage, Blatt-, Blüten- und Früchtetage. An einem Wurzeltag zum Beispiel sollen Wurzelgemüse wie Möhren oder Rote Bete besonders gut gedeihen, an einem Blütentag Kräuter und Blumen.

Ob das wissenschaftlich belegt ist? Eindeutig nein, zumindest nicht in dem Maße, dass die Forschung hier eine klare Aussage macht. Aber das war für mich nie der entscheidende Punkt.

Meine Beobachtung über fünf Jahre

Ich habe in all dieser Zeit kein Gemüse gesehen, das verkümmert war, nicht richtig geblüht hat oder komisch gewachsen ist. Keinen einzigen wirklich schlechten Moment, den ich auf einen falschen Tag hätte schieben können.

Jetzt könnte man sagen, das ist kein Beweis. Und da hat man recht. Vielleicht hätte mein Garten ohne Kalender genauso gut ausgesehen. Ich weiß es nicht.

Aber ich denke es so: Wenn andere Gärtnerinnen und Gärtner über Jahre schlechte Erfahrungen machen, Gemüse das nicht angeht, Aussaaten die scheitern, und ich diese Erfahrungen nicht mache, dann muss an dem Kalender zumindest irgendetwas dran sein. Oder er schadet zumindest nicht. Und das reicht mir.

Was sich dieses Jahr verändert hat

Früher lag der Kalender in der Schublade. Ich habe ihn rausgeholt wenn ich ihn brauchte, oft zu spät oder gar nicht. Seit diesem Jahr hängt er in der Küche. Ich gehe daran vorbei, schaue kurz rauf und nehme unbewusst mit, welcher Tag heute ist. Wenn ich es genau wissen will, stelle ich mich davor und lese.

Das klingt nach einer Kleinigkeit, aber es macht einen Unterschied. Der Kalender ist nicht mehr ein Werkzeug das ich suchen muss, er ist Teil meines Alltags geworden. Und seit er dort hängt, folge ich ihm konsequenter als je zuvor.

Aberglaube oder nicht?

Ich finde diese Frage inzwischen gar nicht mehr so wichtig. Was mir der Mondkalender gibt, ist etwas das ich in einem modernen Alltag oft vermisse, nämlich Struktur und Rhythmus. Er gibt mir Leitlinien, an denen ich mich entlanghangeln kann. Er verbindet mich mit etwas Größerem, mit den Jahreszeiten, mit dem Mond, mit einem alten Wissen das Menschen vor mir gesammelt haben.

Ob das Aberglaube ist, darf jeder selbst entscheiden. Ich bin jedenfalls froh, dass es ihn gibt, und meine Lauchzwiebeln wachsen prächtig.

Herzlichst,
Eure Katrin

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