Mulchen, so vieles, was ich nicht wusste

Auf biodyn.wiki bin ich über die transkribierten Vorträge von Manfred Klett gestolpert, der jahrelang am Dottenfelderhof gearbeitet hat. Und da stand ein Satz, der mich überrascht hat.

Er beschreibt den Mulchvorgang als das Einmischen der organischen Rückstände in den Boden, damit sie nicht mehr direkt dem Sonnenlicht ausgesetzt sind, sondern unter dem Schutz der Dunkelheit langsam und gleichmäßig umgesetzt werden können.

Wisst ihr, welche Vorstellung ich immer beim Thema Mulchen hatte? Ich hatte Mulchen bisher fast ausschließlich als Schutz für die Bodenoberfläche gedacht. Zum Feuchtigkeit im Boden halten und Unkraut bremsen. Den Rasenschnitt auf der Erde verteilen und das wars. Was darunter passiert, dem hatte ich bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

Klett spricht aber von einem aktiven Prozess im Boden, nicht nur auf dem Boden. Wenn das Pflanzenmaterial Kontakt mit der Erde bekommt und leicht eingemischt wird, entstehen andere Bedingungen als wenn es einfach obenauf trocknet. Die Bodenlebewesen kommen nun komplett in Kontakt, die Feuchtigkeit bleibt und die Dunkelheit schützt den Zersetzungsrhythmus.

Beides hat seinen Platz im Garten, aber es ist eben nicht dasselbe.

Der Regenwurm als Hauptakteur

Klett nennt die Regenwürmer als Hauptakteure bei dieser Umsetzung. Und da ist mir sofort eine Beobachtung aus meiner WWOOF-Zeit eingefallen.

Kennt ihr WWOOFen? Das steht für World Wide Opportunities on Organic Farms, also Mitarbeiten auf ökologischen Betrieben gegen Unterkunft und Verpflegung. Ich habe das dieses Jahr hier in Deutschland ausprobiert, und auf diesem Betrieb habe ich zum ersten Mal wirklich lebendigen Boden in den Händen gehalten. Es war wirklich sehr erstaunlich, wie viel Leben dort herrschte.

Es waren keine vereinzelten Würmer. Der ganze Boden des Feldes war von Regenwürmern durchzogen. Er war dunkel und krümelig. Er roch nach Wald. Und als ich ihn aufgehoben habe, bewegte sich sofort etwas. Der Betrieb hatte seit Jahren konsequent gemulcht und kompostiert.

In meinem eigenen Garten bin ich noch weit davon entfernt. Mein Boden hat eine Geschichte, er war lange verdichtet und braucht nun Zeit. Aber ich weiß jetzt, was möglich ist. Nun weiß ich auf welches Ziel ich hin arbeite.

Gründüngung als Teil des Mulchprozesses

Die Gründüngung wurde in diesem Vortrag von meinem Idol gleich im Anschluss genannt. Bisher kannte ich beides nur getrennt. Und da habe ich erkannt, dass ich das in meinem Garten schon einmal fast zufällig richtig gemacht habe.

Ich hatte Gründüngung gesät, die oberen Pflanzenteile meinen Hühnern gegeben und die Wurzeln und Stängel in den Boden eingearbeitet. Das war aus dem Bauch heraus. Jetzt verstehe ich besser, warum das sinnvoll war.

Eine Gründüngungsdecke beschattet den Boden, hält die Feuchtigkeit und schafft am Boden eine eigene kleine Atmosphäre. Und sie verlangsamt die Zersetzung, was gut ist. Klett betont, dass lebendige Prozesse im Boden Rhythmen brauchen und keine schlagartige Schnelligkeit. Zu schnell ist genauso ein Problem wie zu langsam.

Was ich daraus mitnehme

Ich bringe weiterhin Rasenschnitt und Laub auf meine Beete auf. Ich achte jetzt aber mehr darauf, dass ein Teil davon wirklich in den Boden kommt und nicht nur als trockene Schicht obenauf liegt.

Gründüngung möchte ich dieses Jahr gezielter einsetzen, als aktiven Teil der Bodenarbeit nach der Ernte und nicht nur als Lückenfüller.

Was mich am biodynamischen Gärtnern immer wieder begeistert:
Praktiken, die ich schon kannte, bekommen plötzlich eine Tiefe durch Wissen, das ich vorher nicht hatte. Mulchen ist kein Trick. Es ist ein Stück vom Kreislauf.

Herzlichst,
Eure Katrin

Quelle:
Manfred Klett, Düngung, 5. Vortrag, Vortragsreihe 2018, biodyn.wiki

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