Im Juni geht im Garten die Post ab. Es vergeht kein Tag ohne einen Handgriff. Ich mache morgens und abends einen schnellen Rundgang mit der Gießkanne, aber ab morgen möchte ich mir ein kleines Unkrautkörbchen mitnehmen, denn alles, was ich ausrupfe, lasse ich einfach auf dem Weg liegen, und das sieht nicht schön aus.
Ich finde den Juni gleichzeitig befriedigend und fordernd. Es ist viel zu tun, aber auch viel zu sehen und das liebe ich auch.
Kein Kohl, keine Auberginen, und das ist gut so
Manchmal ist die wichtigste Entscheidung im Garten die, etwas wegzulassen.
Letztes Jahr hatte ich am Kohl massive Probleme mit der Weißen Fliege. Ich habe gekämpft, behandelt und am Ende trotzdem verloren. Dieses Jahr lasse ich den Kohl einfach aus. So bekommt dieFruchtfolge eine Pause, und ehrlich gesagt ich auch.
Bei den Auberginen ist es ähnlich. Es war ein wirklich schlimmer Blattlausbefall, kaum Ernte und viel Frust. Ist das normal? Ich baue sie dieses Jahr nicht an, da bin ich einfach trotzig. Das klingt vielleicht nach Aufgeben, aber für mich gehört genau das zum biodynamischen Kreislaufdenken: beobachten, bewerten und anpassen. Man muss nicht jedes Jahr dieselben Fehler wiederholen.
Was ich im Juni aussäe und pflanze
Der Juni ist bei mir trotzdem voll mit Arbeit, weil neue Runden beginnen und die Lücken geschlossen werden.
Blattpflanzen
Salate säe ich in kleinen Portionen nach, auch den ganzen Sommer über. Die Herausforderung im Juni ist die Keimtemperatur. Salat keimt am besten bei 10 bis 16 °C, was im Hochsommer zur echten Geduldsprobe werden kann. Ich stelle ihn möglichst schattig auf und dank eines „Gemüsegartenkiosk“ Tipp, gieße ich ihn jetzt auch mit kaltem Wasser an.
Kräuter stehen bei mir ganz oben auf der Liste. Ich liebe einfach Basilikum und Petersilie, und der Bedarf in der Küche steigt im Sommer stark. Beim Basilikum muss ich aufpassen: Er ist ein Lichtkeimer und darf nicht mit Erde bedeckt werden.
Fruchtpflanzen
Bohnen und Zuckererbsen kommen jetzt in die Erde. Stangenbohnen, Buschbohnen und Zuckererbsen säe ich leider nicht versetzt, (damit die Ernte gestaffelt kommt) denn ich war zu bequem. Hoffentlich bereue ich das nicht. Wichtig: Für Stangenbohnen ist der Juni der letzte sinnvolle Termin. Im Juli wäre es zu spät. Wenigstens daran habe ich mich gehalten.
Gurken können den ganzen Juni über gesät oder gepflanzt werden. Sie mögen es warm und windgeschützt, am liebsten an einer Südwand oder im Gewächshaus. Manche säen sie versetzt um gegen die gefürchteten Gurkenkrankheiten etwas ausrichten zu können.
Wurzelpflanzen
Möhren und Radieschen können auch wieder ausgesät werden. Da mein Beet aber schon voll ist, fällt diese Arbeit im Juni für mich aus.
Hornmist und Hornkiesel
Diesen Sommer wende ich zum ersten Mal Hornkiesel (Präparat 501) an. Ich freue mich darauf, aber ich bin auch ehrlich: Ich lerne das gerade noch.
Hornmist (500) wird abends ausgebracht, immer in Verbindung mit Bodenbearbeitung, Aussaat oder vor der Pflanzung. Er aktiviert das Bodenleben und fördert das Wurzelwachstum. Vorher rühre ich ihn eine Stunde lang rhythmisch, mit regelmäßigem Richtungswechsel. Eigentlich könnte man denken, dass diese Stunde für mich Aufwand ist, doch ehrlich gesagt ist die Zeit eine bewusste Pause im Alltag und vom Handy.
Hornkiesel (501) wirkt mit dem Licht zusammen, stärkt die Pflanze von oben und unterstützt Photosynthese, Reife und Geschmack. Während Hornmist in die Erde wirkt, wirkt Hornkiesel in die Atmosphäre der Pflanze hinein. Das ist das Bild, das mir am meisten geholfen hat, den Unterschied zu verstehen.
Ich führe dazu ein Arbeitsheft: Datum, Präparat, Ausbringungsort. Klingt vielleicht bürokratisch, aber im nächsten Jahr bin ich froh darum.
Der Mondkalender als roter Faden
Ich richte meine Aussaaten nach dem Mondkalender von Maria Thun aus, wahrscheinlich erzähle ich das jetzt schon zum zweihundertsten Mal. Stangenbohnen und Gurken säe ich bevorzugt an Fruchttagen, Möhren und Radieschen an Wurzeltagen und Salate an Blatttagen.
Das ist kein starres System für mich, sondern eher ein Orientierungsrahmen. Manchmal passt das Wetter nicht zum Kalender, und dann entscheide ich pragmatisch. Aber grundsätzlich gibt es dem Gartenalltag eine Struktur, die sich für mich stimmig anfühlt.
Und dann kommen die Dahlien
Die ersten Dahlien kommen. Das ist einfach ein Moment, über den ich mich aufrichtig freue. Blühende Beete ziehen Bestäuber an, und Bestäuber brauchen meine Bohnen und Gurken. Also ist es auch praktisch. Aber vor allem ist es sehr sehr schön.
Checkliste: Was im Juni zu tun ist
Aussaat und Pflanzung
Biodynamische Präparatearbeit
Pflege und Beobachtung
So, ich hoffe ich habe an alles gedacht. Wenn ihr noch einen Tipp habt oder ähnliche Erfahrungen mit Weißer Fliege oder Blattläusen gemacht habt, schreibt gern in die Kommentare, dann haben alle was davon.
Herzlichst,
Eure Katrin
Quellen:
Pierre Masson, „Landwirtschaft, Garten- und Weinbau biodynamisch“; Christian von Wistinghausen, „Anleitung zur Anwendung der biologisch-dynamischen Feldspritz- und Düngemittelpräparate“; Maria Thun, Aussaattage-Kalender







