Diese Woche habe ich zum ersten Mal Brennnesseljauche angesetzt. Die Brennnesseln in meinem Garten waren noch klein, also habe ich genommen, was da war, die frischen Triebe geschnitten, in einen Plastikeimer gegeben und mit Wasser aufgegossen, bis die Pflanzen schwammen. Einen passenden Deckel hatte ich leider nicht, also habe ich einen losen draufgelegt, damit die Brennnesseln unter Wasser bleiben und nicht schimmeln. Jetzt steht der Eimer draußen und wartet.
Bisher habe ich einen Bio-Vinasse-Dünger verwendet. Vinasse ist ein Nebenprodukt der Zuckerherstellung, reich an Kalium und organischem Stickstoff, und gilt im ökologischen Landbau als zugelassenes Düngemittel (wie mir das Internet ausgespuckt hat). Es geht schnell, man gießt es an und fertig. Das ist der Vorteil, aber ich weiß ehrlich gesagt nicht genau, was darin steckt und wie es hergestellt wird. Die Brennnesseljauche ist zwar langsamer, braucht Zeit und etwas Aufmerksamkeit, aber ich weiß genau, was drin ist, weil ich sie selbst gemacht habe. Das macht für mich den Unterschied.
Was hat das mit Bio-Gärtnern zu tun?
Im ökologischen Gärtnern verzichtet man auf synthetische Dünger und Pestizide. Pflanzenjauchen wie die aus Brennnesseln sind hier ein klassisches Mittel, weil sie ohne chemische Verarbeitung auskommen und den Boden und die Pflanzen mit natürlich verfügbaren Nährstoffen versorgen. Die Brennnessel enthält Stickstoff, Kalium, Kalzium, Eisen und Silizium. Während der Fermentation werden diese Stoffe in Wasser gelöst und damit für die Pflanzen direkt aufnehmbar.
Stickstoff fördert das Blattwachstum, Kalium stärkt die Zellwände und die Widerstandskraft, Eisen unterstützt die Chlorophyllbildung, Silizium macht die Pflanze widerstandsfähiger gegen Pilzkrankheiten und Schädlinge.
Ich binde, das ist ein ziemlich guter Cocktail.
Was macht das Biodynamische daran aus?
Die biodynamische Landwirtschaft, begründet von Rudolf Steiner im Jahr 1924, geht einen Schritt weiter als Bio. Sie betrachtet den Garten als lebendigen Organismus, in dem Boden, Pflanze, Tier und kosmische Rhythmen zusammenwirken. Die Brennnessel nimmt in diesem Denken eine besondere Stellung ein. Steiner bezeichnete sie als eine Pflanze, die Eisen in außergewöhnlicher Weise aufnimmt und ordnet, und sah in ihr eine belebende Kraft für den Boden und das Pflanzenwachstum. Und wer schonmal eine Brennnessel angefasst hat, der hat definitiv gemerkt, dass er am Leben ist.
Maria Thun, die Steiners Gedanken durch jahrzehntelange Feldversuche weiterentwickelt hat, beschreibt in Erfahrungen für den Garten nicht nur die Herstellung der Jauche, sondern auch ihre Wirkung sehr konkret. Sie empfiehlt, die fertige Jauche als Wachstumsförderer dreimal während der Vegetationsperiode zu gießen, 0,25 Liter Jauchesubstanz auf 10 Liter Wasser verdünnt, für Tomaten, Gurken, Spinat oder Kohl. Gegen Läuse und Pilze wird sie feiner verdünnt und direkt auf die Pflanzen gesprüht, am frühen Morgen oder abends. Mehr als drei Behandlungen gleicher Art empfiehlt Thun ausdrücklich nicht, da es sonst zu verminderter Lager- und Keimfähigkeit kommen kann.
Was Thun klar im biodynamischen Bereich verortet, ist ihr Blick auf den Zeitpunkt der Anwendung. Sie empfiehlt, kosmische Rhythmen, also Mond- und Planetenkonstellationen, bei der Anwendung zu berücksichtigen. Das geht über rein biologisches Gärtnern hinaus und macht aus einem einfachen Hausmittel ein bewusstes Handeln im Rhythmus der Natur.
Zurück zu meinem Eimer
Meine Jauche ist noch ruhig. Kein Geruch, keine Bläschen, das ist normal, denn die Fermentation braucht Zeit und Wärme. Ich bin gespannt, wann sie anfängt zu arbeiten, und noch gespannter, was ich beobachten werde, wenn ich sie das erste Mal verwende.
Habt ihr schon Erfahrungen mit Brennnesseljauche gemacht? Ich freue mich über eure Berichte in den Kommentaren.
Herzlichst,
Eure Katrin







