Hornmist, so geht kostenlos

Hornmist, auch Präparat 500 genannt, gehört zu den bekanntesten Präparaten der biologisch-dynamischen Landwirtschaft. Doch wie und warum wird dafür Kuhmist in Kuhhörner gefüllt, über den Winter vergraben und anschließend eine Stunde lang in Wasser gerührt?

Am Anfang stand für mich die Recherche zum Thema biologisch-dynamische Landwirtschaft. Dabei stieß ich ziemlich schnell in einem Video von Martin von Mackensen auf den Hornmist. Was mir dabei vor allem durch den Kopf ging: Was soll das Ganze bewirken? Und ehrlich gesagt hörte es sich ziemlich spooky an!

Trotzdem, oder gerade weil es für mich eine völlig neue Welt war, wurde ich neugierig. Ich versuchte, es zu verstehen, las mehr darüber und schaute weitere Videos. Inzwischen habe ich Hornmist selbst angerührt und in unserem Garten ausgebracht. Das war eine der eigenen Erfahrungen, die ich nicht missen möchte.

Was ist Hornmist?

Hornmist ist neben Hornkiesel eines der wichtigsten biologisch-dynamischen Präparate und wird auch Präparat 500 genannt. Bei der Herstellung gibt es bestimmte Vorgaben, damit sich das Präparat wie beabsichtigt entwickeln kann.
Dazu wird frischer Kuhmist dicht und möglichst ohne Hohlräume in Kuhhörner gefüllt. Im Idealfall stammen sowohl der Mist als auch die Hörner von Kühen des eigenen Hofes. Anschließend werden die gefüllten Hörner im Herbst in der Erde vergraben. Dort bleiben sie über den Winter, bis sie im Frühjahr wieder herausgeholt werden.
Für uns Kleingärtner ist die eigene Herstellung allerdings nicht ganz einfach. Schließlich haben die wenigsten von uns eine eigene Kuhherde. Zum Glück gibt es Menschen und Initiativen, die ihr Wissen weitergeben und fertige Präparate zur Verfügung stellen.

Warum werden die Hörner im Herbst vergraben?

Wenn die Pflanzenwelt über der Erde im Winter zur Ruhe kommt und die Blätter gefallen sind, ziehen sich viele mehrjährige Pflanzen in ihre Wurzeln, Knollen oder andere geschützte Pflanzenteile zurück.
Nach dem biologisch-dynamischem Verständnis ziehen sich in dieser Zeit auch die Kräfte stärker in die Erde zurück. Genau dort wird das gefüllte Kuhhorn vergraben. Das Horn soll dabei wie eine Art Trichter wirken, der diese Kräfte aufnimmt und im Hornmist konzentriert.

Ich muss zugeben, dass das für mich am Anfang nur schwer zu verstehen war. Diese Kräfte lassen sich mit den heutigen Messmethoden schließlich nicht so einfach darstellen wie die Temperatur mit einem Thermometer.
Die biologisch-dynamische Erklärung klingt für mich inzwischen zumindest nachvollziehbar. Im Moment reicht mir das, um offen zu bleiben und eigene Erfahrungen damit zu sammeln.

Was passiert mit dem Mist im Horn?

Im Frühjahr werden die Hörner wieder ausgegraben. Der Inhalt sieht nun nicht mehr wie frischer Kuhmist aus. Er ist dunkel, feinkrümelig und hat einen erdigen Geruch. Man kann also schon mit den eigenen Sinnen feststellen, dass sich der Mist über den Winter deutlich verändert hat.

Nachdem der Hornmist aus den Hörnern geklopft wurde, muss er bis zu seiner Anwendung richtig gelagert werden. Nach biologisch-dynamischem Verständnis soll dadurch seine Qualität erhalten bleiben. Später benötigt man nur eine kleine Menge davon. Schon daran erkennt man, dass Hornmist nicht wie normaler Stallmist eingesetzt wird.

Meine Erfahrung beim Rühren

Zuerst rührt man so lange in eine Richtung, bis ein kräftiger Strudel entsteht. Anschließend löst man diesen Strudel wieder vollständig auf. Es entsteht ein kurzes Durcheinander, bevor man in die andere Richtung weiterrührt. Dieser Wechsel wird eine Stunde lang wiederholt und als Dynamisieren bezeichnet.
Wenn man nur davon liest, wirkt auch das zunächst ungewöhnlich. Beim eigenen Rühren setzt man sich aber eine ganze Stunde lang sehr bewusst mit dem Präparat auseinander. Es ist etwas anderes, als nur schnell einen Dünger ins Gießwasser zu geben.

Nach biologisch-dynamischem Verständnis soll sich die Wirkung des Präparates durch den ständigen Wechsel zwischen Strudel und Chaos auf das Wasser übertragen.
Nach dem Rühren habe ich den Hornmist in größeren Tropfen auf unserem Gartenboden verteilt. Meist wird er am späten Nachmittag oder am Abend ausgebracht. Er kommt nicht gezielt an eine einzelne Pflanze, sondern auf den Boden. Dort soll er das Bodenleben und die Wurzelbildung unterstützen.ren ermutigen.

Ist Hornmist ein besonders starker Dünger?

Nein, so würde ich ihn nicht beschreiben. Dafür wird viel zu wenig davon verwendet. Hornmist ersetzt weder Kompost noch Stallmist. Anders als diese bringt er keine größeren Mengen an Nährstoffen oder organischem Material in die Erde.
Das Präparat soll vielmehr die Vorgänge im Boden unterstützen. Kompost, Mulch, Gründüngung und eine schonende Bodenbearbeitung bleiben deshalb genauso wichtig.

Nun sehe ich meinen Garten etwas anders. Früher war der Boden für mich hauptsächlich das, worin meine Pflanzen wachsen. Heute sehe ich ihn immer mehr als etwas Lebendiges, das gepflegt und aufgebaut werden muss.
Zum Boden gehören nicht nur Nährstoffe und Wasser, sondern auch Mikroorganismen, Regenwürmer, Pflanzenwurzeln und viele weitere Zusammenhänge, von denen ich selbst noch längst nicht alle verstanden habe.

Ich verstehe es so, dass Hornmist eher wie eine Unterstützung für Boden und Pflanzen ist. Bei uns Menschen würde ich ihn vielleicht mit einer leichten Lesebrille vergleichen: Man kann auch ohne sie etwas erkennen, aber mit einer kleinen Unterstützung klappt es eben besser.

Wie sich mein Blick auf den Boden verändert hat

Durch tolle Menschen wie Martin von Mackensen, Manfred Klett und François Hagdorn, die ihr Wissen über die Biodynamik weitergeben, habe ich gelernt, dass Präparate wie Hornmist Boden, Pflanzen und die darin lebenden Organismen unterstützen sollen.

Zusammen bilden sie ein komplexes Geflecht. Pflanzen geben über ihre Wurzeln unter anderem Zucker an das Bodenleben ab. Mikroorganismen zersetzen abgestorbene Pflanzenteile und andere organische Stoffe. Dabei werden Nährstoffe und Mineralien umgewandelt und für die Pflanzen verfügbar gemacht.
Die Natur ist schon ein Wunder.
Und das Beste ist: Wir können die natürlichen Prozesse in unserem Garten unterstützen, unter anderem durch Kompost, Mulch, Gründüngung und biologisch-dynamische Präparate.

Schreibt eure Fragen gern in die Kommentare: Was macht euch noch skeptisch? Oder habt ihr selbst schon Erfahrungen mit Hornmist gesammelt?

Herzlichst,
Eure Katrin

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