Warum die oberen 30 Zentimeter unseres Bodens so wichtig sind

Am Anfang habe ich mir über meinen Gartenboden nicht besonders viele Gedanken gemacht. Der Boden war eben da. Ich habe etwas gepflanzt, viel gegossen und gehofft, dass es wächst.

Erst durch die Vorträge von Ing. Helga Wagner und später durch Manfred Klett habe ich verstanden, wie viel direkt unter unseren Füßen passiert. Ein Gedanke ist hängen geblieben: Für unsere Pflanzen sind vor allem die oberen 30 Zentimeter des Bodens wichtig. Und damit auch für uns und unsere Ernährung.

Das klingt zunächst nach nicht besonders viel. Aber genau in diesem Bereich wachsen die meisten Wurzeln, leben unzählige Bodenlebewesen und werden Nährstoffe für die Pflanzen verfügbar gemacht. Dort entscheidet sich auch, ob Regenwasser gut einsickern kann oder oberflächlich abläuft.

Unser Boden war anfangs steinhart

Als wir unseren Garten übernommen haben, war der Boden sehr hart. Er war vorher nicht regelmäßig mit Kompost versorgt worden und ließ sich nur schwer bearbeiten.
Inzwischen wird er immer besser. Ganz gleichmäßig ist diese Entwicklung allerdings nicht. Vor allem im vorderen Beet fehlen mir noch die schönen Bodenkrümel. Dort haben wir im vergangenen Jahr Mutterboden bekommen, der durch den Hausbau eines Nachbarn übrig geblieben war.

Dieser Boden war vorher nicht bewirtschaftet worden. Ich kann deshalb nicht erwarten, dass er nach einem Jahr schon genauso aussieht wie die Erde in meinen länger gepflegten Beeten. Bodenaufbau braucht Zeit. Das muss ich mir selbst manchmal wieder sagen.

Was eigentlich ein Bodenkrümel ist

Helga Wagner erklärt die Entstehung der Bodenkrümel mit einem Bild, das ich mir gut merken kann. Feinste mineralische Bestandteile aus dem Boden verbinden sich mit organischer Substanz. Sie bezeichnet das als eine Art „Ehe“ im Boden. An dieser Verbindung sind auch Bakterien, Pilze und andere Bodenlebewesen beteiligt. Mit der Zeit entstehen daraus kleine, stabile Krümel.

Diese Bodenkrümel sind wichtig, weil zwischen ihnen Hohlräume bleiben. Durch die größeren Zwischenräume gelangt Luft in den Boden und Wasser kann einsickern. In den kleineren Zwischenräumen wird ein Teil der Feuchtigkeit festgehalten. Ein guter Boden kann also Wasser aufnehmen, ohne sofort zu verschlämmen. Gleichzeitig speichert er Feuchtigkeit für trockenere Tage. Ein steinharter oder verdichteter Boden schafft das nicht so gut. Dort läuft Regen schneller über die Oberfläche ab oder bleibt oben stehen.

Seit ich das weiß, sehe ich krümelige Erde nicht mehr nur als angenehm zu bearbeitenden Boden. Die Krümel zeigen mir, dass sich im Boden etwas entwickelt.

Darum kommt Urgesteinsmehl auf den Kompost

Urgesteinsmehl gehört inzwischen zu meiner Bodenpflege. Ich gebe es auf den Kompost und nutze es auch als Teil der langfristigen Ernährung meiner Pflanzen. Urgesteinsmehl besteht aus fein gemahlenem Gestein. Je nach Ausgangsgestein enthält es unterschiedliche Mineralstoffe und Spurenelemente. Es ist für mich deshalb kein schneller Dünger, bei dem ich nach wenigen Tagen eine sichtbare Wirkung erwarte.

Ich verstehe es eher als einen Baustein für den langfristigen Bodenaufbau. Die mineralischen Bestandteile kommen mit dem organischen Material aus dem Kompost und dem Bodenleben zusammen. Genau diese Verbindung finde ich an der Erklärung von Helga Wagner so nachvollziehbar. Wenn ihr Urgesteinsmehl ausprobieren möchtet, schaut bitte auf die Angaben des jeweiligen Herstellers. Viel hilft beim Boden nicht automatisch viel. Ich verwende es sparsam und gebe nicht einfach eine beliebige Menge auf die Beete.

Meinen Kompost lasse ich in Ruhe

Mein Kompost bleibt an einem festen Platz und steht direkt auf dem Boden. So können Würmer und andere kleine Bodenbewohner hinein- und später auch wieder herauswandern. Auf den Kompost kommen bei uns Küchenabfälle, Hühnermist und Pflanzenreste aus dem Garten. Dazu gebe ich etwas alten Kompost und Urgesteinsmehl. Den alten Kompost kann man sich ein bisschen wie einen Sauerteig vorstellen. Mit ihm kommen bereits viele kleine Helfer in den neuen Komposthaufe. Bald möchte ich außerdem die biologisch-dynamischen Kompostpräparate einsetzen.

Ich setze meinen Kompost nicht ständig um. Er darf an seinem Platz bleiben und in Ruhe verrotten. Auch diesen Gedanken habe ich aus den Vorträgen von Helga Wagner mitgenommen: Wir müssen nicht dauernd eingreifen. Manche Vorgänge brauchen vor allem Zeit. Ob mein Kompost fertig ist, erkenne ich inzwischen ganz gut. Der Haufen ist dann deutlich kleiner geworden. Das Material riecht angenehm nach Erde und die Mistwürmer sind verschwunden. Von den ursprünglichen Pflanzenresten ist kaum noch etwas zu erkennen.

Diesen Kompost verteile ich auf meinen Beeten. Damit dünge ich nicht nur meine Pflanzen, sondern gebe dem Boden organisches Material zurück.

Bei mir wächst vieles durcheinander

In meinen Beeten stehen nicht nur sauber getrennte Gemüsereihen. Ich nutze Mischkulturen, pflanze Tagetes und essbare Blumen dazwischen und setze Salate gern dorthin, wo gerade noch eine Lücke frei ist. Das sieht vielleicht nicht immer ordentlich geplant aus, funktioniert bei mir aber gut. Die Pflanzen durchwurzeln den Boden unterschiedlich und benötigen nicht alle zur gleichen Zeit genau dieselben Nährstoffe.

Einige Pflanzen können sich außerdem gegenseitig unterstützen. Zu den bekannten Kombinationen gehören Möhren und Zwiebeln, Erdbeeren und Knoblauch oder Tomaten und Petersilie. Trotzdem verlasse ich mich nicht nur auf solche Listen. Ich probiere aus und beobachte, was in meinem Garten funktioniert. Jeder Boden und jeder Garten sind schließlich etwas anders.

Schädlinge als „Polizei der Natur“

Eine Aussage von Helga Wagner kannte ich vorher überhaupt nicht: Sie bezeichnet Schädlinge als „Polizei der Natur“. Damit meint sie, dass Schädlinge häufig dort auftreten, wo Pflanzen geschwächt sind oder nicht mehr im Gleichgewicht wachsen. Statt nur zu überlegen, wie wir Läuse oder Raupen möglichst schnell beseitigen, können wir uns deshalb auch fragen, warum eine Pflanze gerade besonders anfällig ist.

Davon habe ich vorher zwar nie gehört, finde die Darstellung aber gut. Er bedeutet für mich aber nicht, dass in einem gesunden Garten überhaupt keine angeknabberten Blätter vorkommen dürfen.

Im vergangenen Jahr hatte ich einige Raupen im Garten, im Jahr davor ein paar Läuse. Mehr war es bisher nicht und damit bin ich sehr zufrieden. Raupen und Läuse gehören schließlich ebenfalls zum Garten. Entscheidend ist für mich, dass sie nicht so zahlreich werden, dass die Pflanzen ernsthaft darunter leiden. Vielleicht hilft dabei auch die Vielfalt in meinen Beeten. Ganz genau kann ich das natürlich nicht beweisen. Ich sehe aber, dass mein Garten bisher recht gut damit zurechtkommt.

Herzlichst,
Eure Katrin

Quellen
Folgende Videos wurden auf dem YouTube-Kanal videoattac2 veröffentlicht.
„Lebendige Prozesse im Boden – Teil 1“, Ing. Helga Wagner
„Biologisch-dynamische Tipps für Biogärtner und Obstbaumschnitt“
„Hauskompost biologisch-dynamisch“

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