Das Geheimnis des Rührens

Es gibt einen Moment, kurz nachdem ich angefangen habe zu rühren, wo ich merke: Ich bin nicht mehr erreichbar. Kein Handy, keine Nachrichten, keine To-do-Liste. Nur ein Holzlöffel, ein Eimer Wasser und die Vögel.

Eine Stunde lang rühre ich den Hornmist, Präparat 500, per Hand. Mein Löffel hat ein Loch in der Mitte, was den Widerstand verändert und dafür sorgt, dass das Wasser richtig in Bewegung kommt. Zuerst gegen den Uhrzeigersinn, bis ein tiefer Strudel entsteht, dann umgekehrt, bis das Chaos wieder Form annimmt. Immer wieder. Für eine Stunde.

Ich sitze draußen in der Sonne, auf einem Stuhl, allein.

Was beim Rühren passiert, und warum es wichtig ist

In der Biodynamik geht es beim Rühren nicht darum, einfach etwas aufzulösen. Das Ziel ist, das Präparat zu dynamisieren, also lebendig zu machen.

Rudolf Steiner, auf dessen Arbeit die biodynamische Landwirtschaft aufbaut, beschrieb den Hornmist als ein Präparat, das die Lebenskräfte des Bodens anregt. Durch das rhythmische Wechseln von Strudel und Chaos sollen diese Kräfte ins Wasser übergehen. Das klingt erst abstrakt, aber wer einmal eine Stunde lang gerührt hat, versteht zumindest eines: Das ist kein beiläufiger Schritt.

Maria Thun, die Pionierin des biodynamischen Saatkalenders, betonte ebenfalls die Qualität der Ausführung. Nicht nur was man tut, sondern wie man es tut, mit Aufmerksamkeit, mit Ruhe, mit Zeit.

Eine Stunde, die sich anders anfühlt

Ich gebe zu: Als ich das erste Mal gehört habe, dass man eine Stunde lang rühren soll, dachte ich, das sei übertrieben. Kann man das nicht kürzer machen?

Inzwischen sehe ich das anders.

Diese Stunde ist die ruhigste des Tages. Ich höre den Vögeln zu. Die Sonne liegt auf dem Rücken. Der Rhythmus des Rührens hat etwas Meditatives, nicht weil ich das so geplant habe, sondern weil es sich einfach so ergibt.

Ob das Präparat dadurch besser wird, weiß ich nicht mit Sicherheit. Was ich weiß: Mein Boden hat viele Regenwürmer. Ob das am Hornmist liegt, an meiner gesamten Pflege, oder einfach am Standort, kann ich nicht sagen. Ich beobachte es, und ich freue mich darüber.

Wie ich den Hornmist ausbinge

Nach dem Rühren bringe ich das Präparat mit einem Pinsel oder durch Schwenken aus, feine Tropfen auf den Boden, möglichst abends oder früh morgens, an einem Wurzeltag nach dem Kalender von Maria Thun.

Die Menge ist klein, etwa 25 Gramm auf 250 Liter Wasser für einen Hektar, aber darum geht es in der Biodynamik nicht. Es geht nicht um Chemie, sondern um Impulse.

Was ich euch mitgeben möchte

Ihr müsst nicht sofort alles verstehen. Ich verstehe vieles selbst noch nicht, und das ist in Ordnung. Was ich euch sagen kann: Fang an zu rühren. Setz dich hin. Hör den Vögeln zu.

Manchmal ist das Geheimnis nicht im Präparat. Es ist in der Stunde, die ihr euch nehmt.

Herzlichst,
Eure Katrin

Quellen:

  • Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kurs, 1924)
  • Maria Thun: Aussaattage, jährlich erscheinender Kalender
  • Demeter e.V.: Anwendungsempfehlungen für biodynamische Präparate

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