Warum ich an diesen Tagen bewusst nichts säe
Es gibt diese Tage im Jahr, an denen ich im Garten nicht arbeite, obwohl eigentlich genug zu tun wäre. Karfreitag und Karsamstag gehören für mich dazu.
Ich habe es selbst nicht über Jahre hinweg eindeutig beobachtet. Sondern ich vertraue den Beobachtungen, die vor mir gemacht wurden, vor allem denen von Maria Thun. Denn mit ihrem Kalender bin ich bis jetzt immer gut gefahren.
Trotzdem bleibt da etwas, das mich mehr beschäftigt als die reine Empfehlung: die Frage nach dem Warum.
Zwischen Erfahrung und Erklärung
In der heutigen Zeit sind wir es gewohnt, Dinge erklären zu können oder zumindest einordnen zu wollen. Was sich nicht messen oder beweisen lässt, fällt schnell aus dem Raster.
Und doch entzieht sich mir genauso die Vorstellung, dass nur das existiert, was ich sehen oder eindeutig nachweisen kann.
Wenn ich mir vorstelle, dass alles aus Energie besteht, Gedanken, Erinnerungen, Stimmungen, dann wirkt die Zeit um Ostern auf einmal anders. Es ist eine Phase, in der seit Jahrhunderten kollektiv gedacht, erinnert und gefühlt wird, Leid, Tod, Übergang.
Was, wenn solche Zeiten Spuren hinterlassen? Es ist keine fest messbare Größe, sondern vielleicht etwas, das dennoch wirkt.
Das sind keine Wahrheiten, sondern meine Gedankenspiele, aber sie öffnen hier einen Raum dafür.
Wie sensibel sind Pflanzen wirklich?
Ich frage mich manchmal, wie eingeschränkt unsere Wahrnehmung eigentlich ist.
Wir Menschen verlassen uns stark auf das, was wir sehen, hören oder greifen können. Aber was ist mit all dem, was außerhalb dieser Sinne liegt?
Warum gehen wir so selbstverständlich davon aus, dass wir die Grenze dessen bestimmen, was real ist?
Pflanzen denken nicht wie wir. Aber vielleicht sind sie auf andere Weise empfindsamer. Vielleicht reagieren sie auf Dinge, für die uns schlicht die Wahrnehmung fehlt.
Ich habe einmal einen Baum gesehen, der genau über einer Wasserader gewachsen ist. Sein Stamm war nicht gerade, sondern verdreht, keinen halt findend, immer in Bewegung fast.
Warum wächst ein Baum so?
Parallelen, die ich nicht erwartet habe
In letzter Zeit beschäftige ich mich mit ayurvedischem Kochen. Dort spielen Gegensätze eine große Rolle: warm und kalt, schwer und leicht, aufbauend und reduzierend.
Und plötzlich tauchen Parallelen auf, die ich so nicht gesucht habe.
Auch in der Biodynamik geht es um Rhythmen, um Elemente, um das Zusammenspiel von Kräften, die sich nicht immer direkt greifen lassen.
Ich halte das nicht für eine absolute Wahrheit, aber es bringt mich ins Nachdenken. Und vielleicht ist genau das der eigentliche Wert solcher Ansätze.
Den Garten einfach lassen
Zu Ostern lasse ich meinen Garten bewusst in Ruhe, kein Säen, kein Umpflanzen. Ich habe keine Angst, etwas falsch zu machen. Sondern es ist ehr aus einer Mischung aus Vertrauen und Respekt gegenüber diesen Tagen.
Vielleicht passiert nichts. Vielleicht passiert mehr, als ich wahrnehmen kann. Aber genau darin liegt für mich etwas Wesentliches: ich muss nicht alles sofort nutzen, nicht mehr alles kontrollieren oder jede Lücke füllen. Ich versuche mich auf meinen Garten einzulassen.
Eine Einladung zum Beobachten
Ich glaube nicht, dass wir alles glauben müssen. Aber vielleicht sollten wir wieder mehr beobachten.
Offen bleiben für Gedanken, die nicht sofort beweisbar sind. Fragen zulassen, auch wenn sie keine schnellen Antworten liefern. Und vielleicht einfach einmal ausprobieren, den Garten an diesen Tagen ruhen zu lassen, nicht als Regel, sondern als Erfahrung.
Was daraus entsteht, sieht man oft erst später.
Herzlichst,
Eure Katrin







