Ankommen
Als ich den Hof betrete und die Kuh mit ihrem Kalb sehe, kommt sofort eine Erinnerung hoch. Es riecht genauso wie früher, als wir als Kinder Urlaub auf einem Almbauernhof in Österreich gemacht haben. Der Geruch von Tieren ist unmittelbar da, zusammen mit den Geräuschen entsteht eine Atmosphäre, die diesen Ort klar von anderen unterscheidet. Mir wird dabei verständlich, was Manfred Klett gemeint hat, als er davon sprach, dass Tiere mit ihrem Wesen den Ort prägen, ihn düngen. Hier lässt sich das konkret wahrnehmen. Das Wetter ist wechselhaft, typisches Aprilwetter, trotzdem fühle ich mich wohl, auch wenn etwas mehr Wärme angenehm gewesen wäre.
Arbeit und Ablauf
Der Tag beginnt früh, bis 7:30 Uhr geht jeder seinen Verpflichtungen nach. Ich gehe mit dem Bauern aufs Feld. Meine erste Aufgabe besteht darin, ein Vlies aus dem Boden zu ziehen. Es wurde eingesetzt, um die Quecke zu unterdrücken, das hat aber nicht den gewünschten Effekt gebracht und wird deshalb wieder entfernt. Nach der Arbeit gibt es Eier und Brot aus eigener Produktion zum Spätstück. Anschließend baue ich einen alten Folientunnel zurück, indem ich die Metallstäbe herausziehe, die am nächsten Tag an anderer Stelle wiederverwendet werden. Gegen Ende wird die Arbeit körperlich deutlich spürbar, vor allem im Rücken, gleichzeitig fühlt sie sich sinnvoll und stimmig an.
Boden und Kreisläufe
Was mir besonders auffällt, ist der Zustand des Bodens. Bei jeder Bewegung der Erde sind Regenwürmer sichtbar, in großer Zahl und in unterschiedlichen Größen und Farben. Es wird deutlich, dass die Bewirtschaftung hier direkte Auswirkungen auf die Bodenqualität hat, der Boden wirkt lebendig und aktiv. Ein Unterschied zeigt sich auch im Umgang mit Beikräutern. Quecke und Ackerwinde sollen konsequent entfernt werden, andere Wildkräuter lege ich lediglich zur Seite. Sie bleiben nicht liegen, sondern werden später beim Pflügen wieder in den Boden eingearbeitet und so Teil des Kreislaufs. Diese Form der Arbeit war mir bisher nicht vertraut.
Menschen und Haltung
Auf dem Hof lebt eine Familie mit Kindern, zwei Elternteilen und zwei Großmüttern. Die Landwirtschaft wird hier vor allem praktisch vermittelt. Es geht weniger um theoretische Erklärungen als um das direkte Tun und Zeigen, wodurch sich viele Zusammenhänge erst im Arbeiten erschließen.
Eigene Einordnung
Während der Arbeit mit der Erde entsteht ein klares Gefühl, am richtigen Ort zu sein, besonders im direkten Kontakt mit dem Boden. Gleichzeitig verstärkt sich der Wunsch, die eigene Ernährung weiter in Richtung unverarbeiteter, hochwertiger Lebensmittel zu entwickeln.
Auch im Hinblick auf die Biodynamik entsteht eine wichtige Erkenntnis. Ich neige dazu, bestimmte Regeln zu stark wie feste Vorgaben zu behandeln. Dabei wird hier deutlich, dass biodynamische Prinzipien immer an den jeweiligen Betrieb und seine Bedingungen angepasst werden müssen. Es gibt keine pauschale Umsetzung, sondern nur eine, die sich aus dem konkreten Ort heraus entwickelt.
Herzlichst,
Eure Katrin







