Jeden Morgen gehe ich mit einem Korb in den Vorgarten und rupfe Giersch, dann bleibt die Menge überschaubar und ich habe das Gefühl, etwas gegen ihn zu tun. Die jungen Triebe wandern direkt in die Küche, denn Giersch schmeckt und lässt sich vielseitig verwenden. Hinten im Garten wartet schon die nächste Herausforderung: Ackerwinde, die ich hier und da mal herauszupfe, und Sauerklee, um den sich mein Partner mit dem Abflammgerät kümmert. Der Giersch begleitet mich schon seit Anfang an als Dauerthema, die beiden anderen werden gerade stärker, aber eigentlich waren sie schon immer da.
Diese Konstellation kennt fast jeder Gärtner. Doch das alte Gärtnerwissen zeigt, dass wir diesen hartnäckigen Pflanzen nicht nur mit Kraft begegnen müssen, sondern auch mit Verständnis für ihre Strategie.
Wer sind unsere Gegner wirklich?
Bevor ich weiter zur Hacke oder zum Flammgerät greife, beschäftige ich mal damit, mit wem ich es zu tun habe. Giersch und Ackerwinde zählen zu den Wurzelunkräutern, die sich über unterirdische Ausläufer verbreiten. Schon ein kleines Wurzelstück im Boden reicht aus, damit die Pflanze an neuer Stelle wieder austreibt. Die Ackerwinde verankert sich mit ihren langen Ausläufern besonders tief und taucht gerne dort auf, wo der Boden verdichtet ist. Ihre Wurzelaktivität hilft sogar dabei, solche Schichten wieder aufzulockern.
Sauerklee funktioniert etwas anders. Er vermehrt sich zusätzlich über kleine Brutknöllchen, die bei jeder Bodenberührung leicht abbrechen und an Ort und Stelle neue Pflänzchen bilden. Genau das macht ihn beim Abflammen zu einem hartnäckigen Gegner, denn die Knöllchen sitzen oft tiefer, als man denkt. Und das merke ich zur zeit sehr.
Warum der Kompost tabu ist
Ein Fehler, der vielen Gärtnern unterläuft: Wurzelunkräuter landen auf dem normalen Kompost. Die Ausläufer von Giersch überstehen die Rotte oft mühelos denn mein kleiner Kompost wird nicht so heiß. Anschließend verteilen sich mit dem fertigen Kompost im ganzen Garten. Solltet ihr eure Beute trotzdem kompostieren wollen, sollte sie vorher vollständig durchtrocknen, am besten in der prallen Sonne, damit die Keimfähigkeit verloren geht.
Aus der Not eine Jauche machen
Statt den täglichen Giersch-Korb einfach zu entsorgen, könnten wir daraus auch wertvollen Dünger gewinnen. Dafür setzt man die Pflanzenteile in einem Fass mit Wasser an. Sobald der Gärprozess abgeschlossen ist und die Pflanzenreste vollständig zersetzt sind, könnten wir die Flüssigkeit als stickstoffreichen Dünger nutzen. Der Vorteil liegt darin, dass in der Jauche wirklich alle Wurzelzellen zerstört werden, sodass keine Gefahr einer Wiederbesiedlung besteht. Das wäre für euch eine Möglichkeit, den ohnehin täglich anfallenden Giersch noch sinnvoller zu nutzen, als es allein durch die Küchenverwertung möglich ist.
Die Asche als Bodenbotschaft
Eine weitere alte Methode ist das kontrollierte Verbrennen getrockneter Wildkräuter. Die Asche lässt sich gezielt dort auf die Beete streuen, wo die Pflanzen zuvor gewuchert haben. Nach alten Lehren, etwa aus der Anthroposophie, soll die Asche dem Boden signalisieren, dass diese Pflanzenart an dieser Stelle bereits „vollendet“ ist, was den Neuaustrieb hemmen soll. Da mein Partner ohnehin mit dem Flammgerät gegen den Sauerklee vorgeht, könnte hier ein interessanter Zusatzschritt liegen: die verbrannten Reste als Asche gezielt zurück auf die betroffenen Stellen zu bringen, statt sie einfach verschwinden zu lassen. Mal schauen ob wir das umsetzen.
Was euch die Wildkräuter erzählen
Beikräuter zählen auch als Bodenanzeiger. Das finde ich interessant, denn so lerne ich wieder etwas von meiner Erde. Ackerwinde deutet auf nährstoffreiche Lehmböden hin. Giersch liebt halbschattige, stickstoffreiche Standorte unter Gehölzen, was gut zu seinem Auftreten im Vorgarten passt. Sauerklee gilt oft als Zeiger für eher saure, nährstoffarme oder verdichtete Böden.
Ein Garten ohne diese wilden Gäste ist häufig ein Zeichen für einen leblosen Boden. Die eigentliche Kunst besteht nicht darin, sie vollständig auszurotten, sondern sie zu verstehen, zu kontrollieren und dort, wo es geht, für uns nutzbar zu machen, so wie wir es mit dem Giersch in der Küche bereits tuen oder eben mit der Jauche.
Man kann mit der stark verdünnten Jauche auch Kohlarten, Gurken und Tomaten gießen und damit eine gute Wachstumsförderung erreichen. Gießt man die Jauche auf den Kompost, verbessert man die Wachstumsqualität. Das sei nur so am Rande erwähnt.
Der Arzt im Unkraut
Gartenkräuter »sprechen« aber nicht nur über den Boden, sondern geben auch Auskunft über die Gesundheit seiner Gärtner. Denn die Natur schickt die Heilpflanzen zu demjenigen, der sie braucht. Davon waren die weisen Frauen und heilkundigen Mönche des Mittelalters überzeugt und sahen deshalb auch immer nach, welche Kräuter in der näheren Umgebung ihrer Patienten von selbst wuchsen. Das heißt natürlich nicht, dass du dir jetzt einen Tee aus allen Kräutern deines Gartens brühen sollten, zumal manche giftig sein könnten. Aber schauen Sie einmal nach, ob nicht da oder dort ein Kräutlein wächst, das dir wie gerufen vorkommt.
Bei mir selber hat es schon das eine oder andere Mal zugetroffen, allerdings habe ich das nicht zur Diagnosefindung genutzt. Das kann ich mir als Krankenschwester nun doch nicht herleiten. Schreibt mir gern mal über eure Wildkräuter Erfahrung. Ich bin gespannt.
Herzlichst,
Eure Katrin







