Vor mir auf dem Tisch liegen eine Bananenschale, ein Häufchen Kaffeesatz, eine alte Zeitung und eine Plastikflasche. Meine Frage an die Jugendlichen lautet ganz schlicht: Müll oder Rohstoff? Die Antworten kommen erst zögerlich, dann immer schneller. Bei der Plastikflasche sind sich alle einig. Bei der Bananenschale fangen die ersten an zu grübeln. Genau dieses Grübeln wollte ich auslösen, denn es steht am Anfang von etwas, das mich in meinem eigenen Garten seit Jahren begleitet.
Ich teile diesen Gedanken heute mit euch, weil mir der Workshop selbst noch einmal gezeigt hat, wie nah die große Theorie vom Stoffkreislauf an meinem ganz konkreten Komposthaufen liegt.
Müll oder Rohstoff, das ist die erste Weiche
Im Workshop habe ich zwei einfache Begriffe an den Anfang gestellt. Müll sind Dinge, die wir nicht mehr brauchen und wegwerfen. Ein Rohstoff dagegen ist etwas, aus dem Neues entstehen kann. Die spannende Erkenntnis liegt darin, dass viele Dinge je nach Blickwinkel das eine oder das andere sind. Eine Bananenschale wird im Restmüll zu Müll. Warum nicht auf den Kompost bringen, es ist ja schließlich Bio. Also ich mache das nicht mehr, denn ich hatte mal gelesen, dass die Bananenschale im Hauskompost natürliche Antibiotika entwickelt und auch die guten Bakterien tötet. Und damit das nicht passiert, wandert sie bei mir in die Restmülltonne.
Der Apfelbaum erklärt den Kreislauf von ganz allein
Damit der Begriff Kreislauf greifbar wird, habe ich die Gruppe gefragt, wie das eigentlich bei einem Apfelbaum funktioniert. Ein Apfel fällt herunter, er wird braun, er fault, und irgendwann verschwindet er. Genau hier sitzt der ganze Kreislauf in einem einzigen Apfel. Der Baum bildet den Apfel, Bodenlebewesen zersetzen ihn, daraus entsteht Humus, der Humus liefert Nährstoffe, und mit diesen Nährstoffen bildet der Baum im nächsten Jahr wieder Äpfel. Und manchmal keimt aus einem liegen gebliebenen Kern sogar ein neuer Baum.
Von diesem Bild aus haben wir den Kreislauf in den eigenen Haushalt geholt. Die Küche liefert die Reste, der Komposteimer sammelt sie, der Kompost im Garten verwandelt sie, der Boden nimmt den Humus auf, die Pflanze wächst, und die Ernte landet wieder in der Küche. Eine Tomate macht diese Runde besonders schön sichtbar, weil wir sie vom Strunk bis zur reifen Frucht begleiten können.
Mein Kompost erzählt dieselbe Geschichte, nur langsamer
An dieser Stelle wird aus dem Workshop mein eigener Garten. Wenn ich meinen Kompost umsetze, finde ich vor allem zwei Bewohner: Asseln und Mistwürmer. Beide sind für mich ein gutes Zeichen, denn sie tauchen vor allem dann auf, wenn der gröbste Abbau schon vorbei ist und das Material weiter umgebaut wird. Asseln, Würmer und andere Kleintiere wandern beim Gartenkompost meist gegen Ende des Prozesses ein und prägen mit ihrem Fraß und ihrer Grabtätigkeit die Eigenschaften des fertigen Komposts (ahabc.de).
Wer den Weg vom Abfall zum Humus in Phasen denken möchte, kann sich grob vier Abschnitte vorstellen. Zuerst arbeiten Bakterien, das Material erhitzt sich. In großen Kompostmieten oder im Kompostwerk erreicht diese Heißrotte etwa 60 bis 70 Grad, und bei diesen Temperaturen sterben viele Krankheitskeime und Unkrautsamen ab (Kompostierung, Wikipedia; Kompost- und Biogasverband). Danach kommen verstärkt Pilze hinzu, anschließend übernehmen Kleintiere den Umbau, und am Ende reift ein dunkler, krümeliger Humus heran, der angenehm nach Waldboden duftet.
Genau hier wird es für mich als Hobbygärtnerin ehrlich und lehrreich. Mein Komposthaufen im Garten wird nämlich gar nicht so heiß. Ein kleiner Hauskompost wird oft nur portionsweise befüllt, kühlt schnell aus und erreicht häufig nur etwa 40 bis 45 Grad, sodass die Hygienisierung nur teilweise stattfindet (Bayerisches Landesamt für Umwelt). Das merke ich jedes Jahr, denn auf meinem Kompost keimen regelmäßig Kartoffeln. Die Knollen und Augen überleben, weil es bei mir eben nicht heiß genug wird, um sie abzutöten. Früher hat mich das geärgert, heute lese ich es als kleinen Bericht meines Komposts über sich selbst.
Der Moment, in dem ich verstanden habe, was ich da tue
Am meisten beeindruckt hat mich der erste Frühling, in dem ich meinen eigenen, fertigen Kompost im Beet verteilt habe. Ich stand mit der Schubkarre zwischen den Beeten und dachte: Das habe ich erschaffen. Aus Zwiebelschalen, Kaffeesatz, Herbstlaub und Küchenresten war dunkle, duftende Erde geworden. In diesem Augenblick war der Kreislauf, den ich den Jugendlichen erklärt hatte, das ich in den Händen hielt.
Was beim Kompostieren schiefgehen kann
Damit das Bild ehrlich bleibt, gehört die andere Seite dazu. Ein Kompost gelingt eben nicht immer von selbst. Wenn das Material zu nass liegt und zu wenig Luft bekommt, kippt der Prozess in Fäulnis. Statt nach Waldboden riecht es dann faulig, und der schöne Umbau zu Humus stockt. Die Lösung ist meist einfacher als gedacht. Ich mische trockenes, grobes Material wie zerkleinerte Zweige oder Laub unter, ich setze den Haufen um, und ich bringe so wieder Luft hinein. Sauerstoff und eine ausgewogene Mischung entscheiden darüber, ob aus den Resten Humus oder Fäulnis wird.
Die biodynamische Seite meines Komposts
Für mich gehört zum Kompost noch eine Schicht mehr, und hier kommt die Biodynamik ins Spiel. In meinen Haufen gebe ich die biodynamischen Kompostpräparate, also Schafgarbe, Kamille, Brennnessel, Eichenrinde und Löwenzahn, dazu kommt der Baldrian über den ganzen Haufen. Diese sechs Präparate werden aus Heilpflanzen zubereitet, in sehr kleinen Mengen in den Kompost eingebracht und sollen die Rotte und die Umwandlungsprozesse anregen sowie die Humusbildung fördern (Demeter).
Meinen Haufen setze ich dabei bewusst nicht ständig um. Er bleibt an seinem Platz und bekommt die Zeit, die er braucht. Manchmal lasse ich ihm ein halbes Jahr länger, bis er wirklich reif ist. Diese Geduld passt für mich gut zur biodynamischen Idee, den Kompost als etwas Lebendiges zu begleiten statt ihn anzutreiben.
Und jetzt kommt der ehrliche Teil. Eindeutige eigene Beobachtungen, etwa beim Geruch oder beim Tempo, kann ich euch bisher nicht liefern. Und einzelne Proben über einen verbesserten Mineralgehalt kann ich auch nicht liefern. Ich nutze die Präparate aus Überzeugung und aus Freude an dieser Arbeitsweise, und ich bleibe dran und schaue genau hin. Sobald ich an meinem eigenen Haufen einen klaren Unterschied feststelle, erzähle ich euch davon.
Was mir der Workshop mitgegeben hat
Ich bin in diesen Workshop gegangen, um Kindern und Jugendlichen den Kreislauf im Garten zu erklären. Herausgekommen bin ich mit dem Gefühl, dass dieser Kreislauf in jedem Haushalt beginnt, schon beim Kaffeesatz vom Morgen. Vielleicht schaut ihr beim nächsten Mal, wenn ihr eine Zwiebelschale in der Hand haltet, einen Moment länger hin und fragt euch: Müll oder Rohstoff? Bei mir landet sie auf dem Kompost, und ein paar Monate später wächst daraus die Erde für meine Tomaten.
Herzlichst,
Eure Katrin
Quellen
Bayerisches Landesamt für Umwelt: Kompostierung, hygienische Aspekte (PDF).
Kompostierung, Wikipedia (Heißrotte, 60 bis 70 Grad).
Kompost- und Biogasverband: Kompostentstehung und Hygienisierung über 55 Grad.
ahabc.de: Phasen der Kompostierung, Einwanderung von Würmern, Asseln und Insekten gegen Ende des Prozesses.
Demeter e.V., Biodynamische Präparate, https://www.demeter.de/biodynamische-praeparate
Handout 8. Klasse
Handout_Aus Abfall Leben schaffen_Econook PDF.pdf







