Im Sommer merke ich, ob meine Gießpraxis passt oder nicht. Mein Boden hinterm Haus, den ich vier Jahre lang aufgebaut habe, nimmt Wasser auf wie ein Schwamm. Ok, besser geht immer, aber ich bin auf einem guten Weg. Vorn, im Vorgarten, wo ich erst dieses Jahr angefangen habe, schwemmt das Wasser einfach weg. Das frustrierte mich, bis ich verstand, woran es liegt. Ich habe einiges von schlauen Menschen gelesen und jetzt ist die Sache rund, wie Herr Beckmann mein damaliger Anatomielehrer immer zu sagen pflegte.
Jetzt gibt es mehr Wissenswertes.
Der Unterschied zwischen jungem und altem Boden
Viele Gärtner erleben dasselbe wie ich: An manchen Stellen funktioniert die Bewässerung mühelos, an anderen wird das Wasser einfach weggespült oder staut sich. Das hat nichts mit mangelnder Gießtechnik zu tun, sondern mit dem Bodenaufbau selbst. Ein Boden, der Jahre mit Mulch und Kompost gepflegt wurde, entwickelt eine Humusschicht, die wie ein Schwamm wirkt. Ein junger Boden ist dagegen noch reine Erde ohne Krümelstruktur und kann Wasser nicht speichern.
Der Rhythmus des Bodens: Morgens und abends atmet er anders
Maria Thun hat etwas Entscheidendes beobachtet: Der Boden folgt einem täglichen Rhythmus. Am Morgen dünsten die oberen Schichten aus, die Pflanzenkräfte gehen nach oben. Am Abend kehrt sich das um: Der Boden „atmet ein“, und die Kräfte streben zu den Wurzeln hinab. Wenn wir abends gießen statt morgens, unterstützen wie genau diesen natürlichen Prozess. Die Pflanzen können die ganze Nacht nutzen, um Wasser aufzunehmen und ihre Wurzeln zu stärken.
Doch das ist nur die halbe Wahrheit. In dem Buch von Maria Thun, Erfahrungen für den Garten, beschreibt sie, dass sie nur ein mal zur Pflanzung wässert und danach (außer im Gewächshaus) nicht mehr. Stattdessen lockert sie bei zu feuchter Erde morgens und bei zu trockener Erde abends die obere Schicht auf, so dass Luft in die Zwischenräume gelangt.
Die oberen 3 cm sind der Schlüssel
Was passiert also, wenn wie die oberste Bodenschicht auflockern und nicht umgraben? So entsteht eine lockere Pufferschicht, die Feuchtigkeit reguliert und Wasser dosiert abgibt. Diese oberen drei Zentimeter verhindern, dass Wasser wegschwemmt oder sich staut. Sie sind wie eine lebendige Filterschicht zwischen der Luft und dem tieferen Boden.
Was bedeutet das für unseren Garten?
Das Kernproblem bei den meisten Bewässerungsfrustrationen ist demnach nicht die Technik, sondern der Boden selbst. Ein junger Boden braucht Zeit zum Aufbau. Das bedeutet nicht, dass wir es falsch machen. Es bedeutet, dass wir geduldig sein müssen und aktiv in den Bodenaufbau investieren müssen um die Ursache beseitigen zu können.
Mulch und Kompost sind der erste Schritt. Mit jeder Schicht, die wir aufbringen und einarbeiten, wächst die Wasserspeicherfähigkeit. Gleichzeitig können wir durch richtiges Timing beim Gießen (abends statt morgens) und durch regelmäßiges Lockern der obersten Schicht das Maximum aus unserem Boden herausholen.
Fazit für unseren Garten
Ab Juli gieße ich bewusst abends. Ich hacke die oberen drei Zentimeter regelmäßig auf, um die Pufferschicht zu stärken (so zumindest mein Vorsatz). Und ich akzeptiere, dass mein Vorgarten noch Zeit braucht, um die Wasserspeicherung zu lernen. Das ist der natürliche Prozess des Bodenaufbau. Je mehr ich über Bodengare verstehe, desto geduldiger werde ich mit meinen jungen Bereichen.
Herzlichst,
Eure Katrin
Quelle:
Maria Thun, Erfahrungen für den Garten
Manfred Klett, Von der Agrartechnologie zur Landbaukunst, Krustenbildung und Hautbearbeitung







