Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal schwarze Blattläuse an meinem Holunder entdeckt, und kurz darauf am Mutterkraut. Mein erster Impuls war ehrlich gesagt: Was mache ich jetzt dagegen? Aber dann habe ich kurz innegehalten. Denn bevor ich überhaupt zu einem Pflanzentee oder einer Jauche greife, lohnt es sich, einen Schritt zurückzugehen und zu fragen: Ist mein Garten überhaupt so aufgestellt, dass er sich ein Stück weit selbst helfen kann?
Schritt 1: Den Garten als Lebensraum denken
Der wirksamste Schutz gegen Schädlinge ist kein Mittel, sondern ein Gleichgewicht. Eine Artenvielfalt im Beet lockt Nützlinge an, die sich von den Schädlingen ernähren. Das klingt abstrakt, ist in der Praxis aber sehr konkret: Ich habe ein Bienenhotel, ein Marienkäferhotel, ein Hummelhaus und ein Vogelhaus im Garten. Neben unserem Miniteich habe ich einen zerbrochenen Tontopf halb eingegraben, der als Unterschlupf für Amphibien dient. Totholz ist auch schon da, eine Trockenmauer ist in Planung.
Das alles sind keine Dekoration, sondern Einladungen. Eine einzige Marienkäferlarve frisst innerhalb von vier bis sechs Wochen rund 800 Blattläuse. Wenn ich also Marienkäfer im Garten habe und ihnen einen guten Lebensraum biete, erledigen sie einen Großteil der Arbeit, bevor ich überhaupt aktiv werden muss.
Ich bin ehrlich: Ob meine Nützlingsquartiere schon richtig angenommen werden, beobachte ich noch. Es braucht Zeit, bis sich ein Gleichgewicht einstellt. Aber ich baue daran, Saison für Saison.
Schritt 2: Pflanzen stärken, bevor Schädlinge kommen
Gesunde, gut versorgte Pflanzen sind weniger anfällig. Einheimische, an den Standort angepasste Pflanzen sind weniger anfällig gegen Schädlinge als exotische Zierpflanzen. Das ist ein Gedanke, der sich durch die gesamte biodynamische Praxis zieht: nicht reagieren, sondern vorausdenken.
Pflanzentees und Kaltauszüge können dabei helfen, Pflanzen zu stärken, bevor ein Problem entsteht. In einem Tee oder Sud lösen sich hauptsächlich Flavonoide, Gerbstoffe und leicht lösliche Aromen, weshalb Pflanzentees und -sude hauptsächlich zur Pflanzenstärkung eingesetzt werden. Ein Kaltauszug aus Schafgarbe zum Beispiel stärkt die Widerstandskraft gegen Pilzkrankheiten und Schädlinge, und braucht nach dem Ansetzen in Regenwasser maximal 24 Stunden.
Schritt 3: Jauchen und Tees gezielt einsetzen
Wenn es dann doch zum Befall kommt, kommen Pflanzenmittel ins Spiel. Wichtig ist zunächst, die Begriffe auseinanderzuhalten, denn Tee, Jauche und Brühe sind nicht dasselbe.
Tees aus Beinwell, Knoblauch oder Zwiebeln sind schnell gemacht: Die Pflanzen werden klein gehackt, mit kochendem Wasser übergossen und müssen nur 15 bis 20 Minuten ziehen. Nach dem Abseihen versprüht man die befallenen Pflanzen unverdünnt, mehrere Tage lang, bis sie tropfnass sind.
Jauchen funktionieren anders: Bei dem zwei bis dreiwöchigen Gärungsprozess in kaltem Wasserbad werden Nährstoffe freigesetzt, und effektive Mikroorganismen sind an der Fermentierung beteiligt, die sich positiv auf die Boden- und Pflanzengesundheit auswirken. Deshalb sind Jauchen nicht nur Schädlingsabwehr, sondern gleichzeitig leichte Düngung.
Ich habe dieses Jahr zum ersten Mal Brennnesseljauche angesetzt. Noch habe ich sie nicht angewendet, aber ich bin gespannt, wie sie wirkt. Brennnessel enthält Stickstoff, wodurch die Jauche leicht düngt, und eignet sich auch gegen Blattläuse, Thripse und Raupen.
Was wirkt wogegen? Eine kleine Übersicht:
Gegen schwarze Blattläuse, wie ich sie am Holunder und Mutterkraut beobachte, helfen laut verschiedenen Quellen Brennnesseljauche, Rainfarntee oder Rhabarbertee. Auch ein Lavendeltee, drei Tage angesetzt und unverdünnt aufgesprüht, wirkt gegen Blattläuse und Pilze.
Gegen Schnecken bewährt sich ebenfalls Brennnesseljauche, im Verhältnis 1:10 verdünnt auf die Beete gesprüht, wobei nach etwa drei Tagen die meisten Schnecken das Weite suchen sollen.
Gegen Weiße Fliege ist Knoblauchtee die richtige Wahl: eine Bio-Knoblauchknolle klein hacken, in einem Liter Wasser aufkochen, eine Stunde ziehen lassen, abseihen und unverdünnt auf die betroffenen Pflanzen geben.
Für Pilzkrankheiten gilt Schachtelhalm als bewährtestes Mittel, am besten als Brühe zubereitet.
Was ich daraus mitnehme
Ich lerne gerade, dass Schädlingsbekämpfung im biodynamischen Garten eigentlich das letzte Glied in einer Kette ist. Zuerst kommt der Lebensraum für Nützlinge, dann die Stärkung der Pflanzen, und erst dann, wenn das nicht reicht, kommen gezielte Pflanzenmittel. Ob meine Brennnesseljauche gegen die Blattläuse am Holunder hilft, werde ich berichten, sobald ich sie das erste Mal eingesetzt habe.
Herzlichst,
Eure Katrin
Quellen:
Verbraucherzentrale, NABU, myhomebook.de, fryd.app, gern-im-garten.de, gartenhaus.com







