Gründüngung: jetzt schon an 2027 denken

Ich gehe gerade durch meinen kleinen 30-qm-Garten und sehe immer mehr leere Stellen. Vielleicht geht euch das da draußen genauso? Die Erbsen sind raus, die Kartoffeln sind geerntet, und auch die Kürbispflanze wird bald Platz machen. Es ist verlockend, diese Beete jetzt einfach ruhen zu lassen. Aber das möchte ich dieses Jahr etwas professioneller angehen.

Warum ein leeres Beet kein ruhendes Beet ist

Wenn es schon Frühjahr, dann denke ich meist an die Nährstoffversorgung meiner diesjährigen Hauptkultur. Doch in der Landbaukunst nach Manfred Klett verstehen wir den Boden als lebendiges Organwesen. Er vergleicht ihn mit einem Zwerchfell, das nach der Ernte nicht hungern darf. Lasst ihr den Boden nackt liegen, beraubt ihr ihn seiner Lebenskraft. Natürlich ist das wieder sehr bildlich gesprochen, aber ich denke er hat Recht. Bei mir ist das aktuell besonders deutlich zu sehen, alles ist gerade sehr trocken. Deshalb will ich die freien Flächen jetzt möglichst schnell bedecken.

Die Brücke ins nächste Jahr

Alles, was wir jetzt säen, ist eine Keimlegung für 2027. Ohne Bewuchs würden die Nährstoffe, die die Sommersonne mobilisiert hat, durch Herbst- und Winterregen einfach ins Grundwasser gespült. Eine Gründüngung hält diese Kräfte im Boden fest, wie ein Schutzmantel für das Leben darunter.

Leguminosen: Stickstoff einatmen

Ich finde die Leguminosen wie Wicken, Klee oder Erbsen besonders interessant. Während die meisten Pflanzen eher ausatmen, übernehmen die Leguminosen eine echte Einatmung. Sie binden Stickstoff aus der Luft über die Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln und schenken ihn dem Boden. Dieser Stickstoff steht im nächsten Frühjahr unsere Starkzehrer wie Kohl oder Tomaten zur Verfügung, ganz ohne Kunstdünger.

Bei mir kommt Klee auf dem Blumenbeet aber nicht infrage, das habe ich letztes Jahr schon versucht. Ich hatte ihn nicht eingeharkt, und die Vögel haben das meiste weggepickt. Eine Lehre für dieses Jahr, die Saat wirklich gut anzudrücken. Für die Aussaat der Leguminosen achte ich außerdem auf einen Wurzeltag in der Pflanzzeit, so verlagert die Pflanze ihren Schwerpunkt in die Wurzeln und das ist ja das Ziel unserer Bodenpflege. Diesmal hätte ich wahrscheinlich klüger gehandelt, wenn ich erst das Unkraut herausgerissen und dann erst gesät hätte, dann läge der Boden nicht so lange nackt da.

Humus als Gedächtnis eures Gartens

Die Wurzelmasse der Zwischenfrüchte bleibt im Boden und wird von den Regenwürmern in dauerhaften Humus verwandelt. Klett nennt diesen Humus den Universalsamen. Er trägt das Leben vergangener Jahre in die Gegenwart und bewahrt die Keimkraft für die nächste Saison.

Übersicht der wichtigsten Gründüngungspflanzen

Für mein Kartoffel- und Kürbisbeet weiß ich noch nicht, was nächstes Jahr dort wachsen soll. Deshalb greife ich dort zu Phacelia. Sie lässt sich bis in den September hinein aussäen, keimt rasch und eignet sich laut den Quellen unten als echte Universalpflanze für genau meine Unentschlossenheit.

PflanzeAnbau & AussaatErnte und EinarbeitungPausenzeitDavor anbauenDanach anbauen
Phacelia (Bienenfreund)April bis September, ideal als schnelle Zwischenfrucht, keimt raschVor der Blüte abmähen und leicht einarbeiten, friert im Winter meist abKeine, keine Verwandtschaft mit heimischen GemüsesortenFast alle Sorten, ideal nach Kartoffeln oder WurzelgemüseIdeal für Stark- und Mittelzehrer, da sie den Boden locker hinterlässt
Leguminosen (Lupinen, Klee, Wicken)Frühjahr bis Spätsommer, flach säen, binden LuftstickstoffVor der Samenreife abmähen und flach in die oberste Erdschicht einarbeiten3 bis 4 Jahre, nicht auf Beete mit vorherigen HülsenfrüchtenHervorragend als Nachkultur nach GemüsePerfekt als Vorkultur für Starkzehrer wie Kürbis oder Kohl durch Stickstoffanreicherung
Gelbsenf und Raps (Kreuzblütler)Mitte Juli bis Mitte September, sehr rasches Wachstum, unterdrückt UnkrautVor der Samenbildung abmähen, friert im Winter ab, Reste einarbeitenMindestens 3 bis 4 Jahre, Gefahr der KohlhernieNach fast allen Kulturen möglichKeine anderen Kreuzblütler, ideal vor Tomaten oder Gurken
BuchweizenMai bis August, extrem rasche JugendentwicklungAbmähen und flach einarbeiten, friert im Winter sicher ab1 bis 2 Jahre, um Krankheiten zu vermeidenAls Vorkultur für fast alle Pflanzen geeignetFast alle Gemüsearten, gut für Mittel- und Schwachzehrer, reichert keine Nährstoffe an

Quellen: samen.de, mein-schoener-garten.de, plantura.garden, media.sperli.de, nabu.de, dhb-hessen.de, permakultur-plattform.de, gartenberatung.de, wurzelwerk.net, meine-ernte.de, beetliebe.de, leinenbach-bio.de, gartenjournal.net

So setzt ihr es auf euren 30 qm um

  • Fläche anlockern: Lockert die freien Stellen nur ganz flach, die obersten Zentimeter reichen, um die Kruste zu brechen.
  • Aussäen: Streut die Mischung breitwürfig aus, etwa 50 bis 100 Gramm pro 30 Quadratmeter.
  • Andrücken: Tretet die Samen mit einem Brettchen fest oder walzt sie leicht an. So finden die Keimwurzeln sofort Kontakt zur Feuchtigkeit.
  • Stehen lassen: Lasst die Pflanzen über den Winter abfrieren. Sie bilden eine schützende Mulchschicht für das Bodenleben.

Ich werde dieses Jahr zum ersten Mal wirklich konsequent Gründüngung säen, statt die Beete einfach leer stehen zu lassen. Bisher lag das Kartoffel- und Kürbisbeet über den Winter meist einfach brach, das soll sich jetzt ändern.

Wie handhabt ihr eure freien Beete im Spätsommer? Sät ihr schon Gründüngung, oder lasst ihr die Flächen bisher auch einfach ruhen?

Herzlichst,
Eure Katrin

Quellen:
Manfred Klett – Von der Agrartechnologie zur Landbaukunst,Wesenszüge des biologisch-dynamischen Landbaus, Eine Landwirtschaft der Zukunft

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert