Vom Takt der Tage: Wie ich meinen Hausgarten auf biodynamisch umgestellt habe

Es waren keine großen Entscheidungen, nur der Wunsch, dass der Garten wieder atmen kann. Ich habe meinen Kalender aufgeschlagen und die Tage markiert, an denen Wurzel, Blatt, Blüte und Frucht im Vordergrund stehen. Nicht als Dogma, eher als Taktgeber. Das Wetter geht vor dem Kalender, aber der Kalender hilft mir, die Hände zur richtigen Zeit in die richtige Arbeit zu nehmen.

Zuerst habe ich den Boden belebt. Der Kompost wurde zum Mittelpunkt: Schichten, ruhen lassen, die kleinen Gaben an Präparaten, die eher Impulse sind als Zutaten.

Beim Säen half mir die Ordnung der Organe: Wurzeln an Wurzel-Tagen, Blattgrün an Blatt-Tagen, Blumen an Blüte-Tagen, Tomaten und Bohnen zu den Tagen der Frucht. Der Garten reagierte mit dichterem Laub, ruhigeren Böden, weniger Stress in den heißen Wochen.

Auch die anderen Präparate kamen Stück für Stück dazu. Ich habe gelernt, mich beim Rühren Zeit zu entspannen. Eine Stunde Wirbel und Gegenwirbel – das klingt lang, aber die Bewegung wird schnell zu einer Art, ich will es mal Meditation nennen. Denn so fühlt es sich für mich an, wenn ich 1 Stunde die gleichen Bewegungen vollziehe.

Die Umstellung begann nicht mit Verzicht, sondern mit Hinzufügen: mehr Leben, mehr Rhythmus, mehr Geduld. Ich habe die 500 abends über feuchte Beete gegeben. Später, an klaren Morgen, kam die 501 in feinem Nebel dazu. Dazwischen 508, wenn der Sommer zu feucht wurde und die Pilze drohten die Pflanze zu besiedeln.

Die Mischkultur hat Lücken geschlossen. Eine Hauptkultur, ein Begleiter, sowie Vor- und Nachkultur. Plötzlich waren die Wege zwischen den Pflanzen bewohnt. Ich habe Luft gelassen, damit nichts drängt, und Wasser wie ein Versprechen gegeben: selten, dafür durchdringend. Maria Thun goss ihr Gemüse sogar nur bei der Aussaat und beim Pflanzen ausgiebig.  

Am Ende der Saison ziehe ich mit der Erfahrung aus dem Jahr Bilanz und plane das nächste im Anschluss. So bleiben die Bilder noch präsent.

Die Umstellung des Gartens ist kein Projekt mit Enddatum. Eher ein schleichender Übergang – und die Erfahrung, dass der Garten, wenn man ihn lässt, seinen eigenen Rhythmus wiederfindet.

Herzlichst,
Eure Katrin