Kompost anlegen und warum das für mich zum Kreislauf gehört

Wenn du mich heute fragst, was für mich das Herzstück meines Gartens ist, dann sag ich: der Kompost. Nicht der schönste Ort im Garten, aber der bedeutendste. Und das meine ich wirklich so. Er steht unter unserem Ginkgobaum, schattig, 2 Meter lang, aus Holz gebaut – nichts Spektakuläres. Aber was dort passiert, das ist ein echtes Wunder, und harte Arbeit. Und manchmal beides gleichzeitig.

Meine Kompostgeschichte: Von Omas Haufen bis zur eigenen Erde 

Ich bin mit Kompost groß geworden. Bei meiner Oma stand er im Hühnerstall, eine Seite offen, die anderen aus Beton. Sie hat ihn regelmäßig umgestapelt, ganz selbstverständlich. Bei meiner Mutter gab und gibt es zwei Plastikkomposter, die sie abwechselnd befüllt – auch einfach ganz normal. Der Kompost war immer in meine Nähe, aber so richtig interessiert habe ich mich damals nicht dafür, geschweige denn für Gartenarbeit, doch das erzähle ich bestimmt mal an anderer Stelle. 

Richtig angefangen habe ich erst vor ein paar Jahren. Ich schaute unserem damaligen Vermieter über die Schulter, leider viel zu selten. Er hatte einen riesigen Komposthaufen. Er war Manns hoch und bestimmt 4 Meter lang. Abgedeckt hatte er ihn immer mit Stroh, doch umgeschichtet wurde er nie.
Mein eigener Fokus kam erst, als wir hierhergezogen sind – und jetzt, im zweiten intensiven Jahr, merke ich, wie viel dort drinsteckt. 

Anfängerfehler und Aha-Momente 

Ganz ehrlich: Anfangs habe ich einfach alles draufgeschmissen. Ohne Abdeckung, ohne Kontrolle, ohne Plan. Hauptsache „Bio“. Und dann hat sich nicht viel getan – kein Wunder. 

Mittlerweile habe ich verstanden, dass mein Kompost Aufmerksamkeit braucht. Die Küchenabfälle kommen jetzt nur noch mit einer Schicht Erde drauf. Abgedeckt wird mit Rhabarberblättern oder dem Einstreu der Hühner. Ich schaue regelmäßig nach, wie es aussieht, ist er zu trocken oder zu nass. Hier lerne ich dabei jedes Mal was dazu. 

Und ja – jedes Mal, wenn ich die Hand in die fertige Erde stecke und merke, wie krümelig, lebendig und nährstoffreich sie ist, denke ich: Krass, das war mal Biomüll. Und jetzt ist das meine eigene Erde. 

Was kommt drauf – und was nicht? 

Ich kompostiere Küchenabfälle, Pflanzenreste, den Mist unserer Hühner. Die Zitrusfrüchte kommen bei mir nicht rauf, genauso wenig wie tierische Reste, denn ich habe sonst Sorge, unbeliebte Gäste anzuziehen. Brot bekommen die Hühner, genauso wie ein Großteil vom Unkraut. Ich versuche, alles so zu verteilen, dass es im Kreislauf bleibt. Was ich nicht direkt nutzen kann, wird auf Umwegen wieder zu Nahrung für unseren Garten. 

Der Kompost als Teil des Kreislaufs 

Letztes Jahr bauten wir viele Hochbeete, das war ein riesiger Erdbedarf, den ich noch nicht aus dem eigenen Garten decken konnte. Dieses Jahr sieht das anders aus: Nur noch ein paar Töpfe brauchten neue Erde. Der Rest kam aus dem eigenen Kreislauf. Zum Beispiel die Komposterde für die Tomaten und für das Blattpflanzenbeet.
Ich muss sagen, da war ich ein bisschen stolz auf uns, denn schließlich hat uns das Keiner beigebracht. Ich lese mir das Wissen an und anschließend wird die Praxis in unserem kleinen Garten durch Versuch und Irrtum erprobt. 

Und was ist mit biodynamisch? 

Ich arbeite mich Stück für Stück heran. Die biodynamischen Kompostpräparate habe ich noch nicht eingesetzt, aber sie stehen auf meiner Liste. Ich will erst verstehen, was ich da tue, bevor ich loslege. Doch der nächste Schritt kommt bald und darauf freue ich mich und bin Neugierig auf die Ergebnisse. 

Fazit: Kompostieren ist für mich kein „Abfallmanagement“, sondern ein Weg zurück in die Verantwortung. Ich sehe, was ich erzeuge. Ich sehe, wie es sich verwandelt. Und ich sehe, dass ich mit meinem Garten nicht nur anbaue, sondern auch lebe. Die Erde verändert sich. Und ich mich mit ihr. 

Herzlichst,
Eure Katrin

Checkliste:
Kompost anlegen – so klappt’s auch bei dir 

  • Ort wählen (Am besten halbschattig, direkt auf dem Boden. Kein Beton drunter – die Bodenlebewesen sollen mitarbeiten dürfen. )
  • Kompostbehälter oder -platz anlegen (Offene Holzkonstruktion, Komposter oder Miete – Hauptsache luftig und zugänglich. 
  • Was darf drauf?
  • Küchenabfälle (Gemüse- und Obstreste) 
  • Pflanzenreste aus dem Garten
  • Hühnermist (wenn vorhanden)
  • Kaffeesatz, Teebeutel ohne Plastik
  • Eierschalen, zerkleinert 
  • Zerknülltes unbedrucktes Papier (in Maßen) 
  • Und was lieber nicht.
  • Zitrusfrüchte (zu sauer, hemmen die Mikroben) 
  • Tierische Reste (locken Ratten an)
  • Brot (Pilze verursachen antibiotische Wirkung, gute Bakterien sterben)
  • Krankes Pflanzenmaterial → separat entsorgen 
  • Schichtprinzip beachten Abfälle mit etwas Erde abdecken. Grobes und feines Material mischen. Trockenes (z. B. Stroh) und feuchtes (z. B. Salatabfälle) im Wechsel.  
  • Abdecken nicht vergessen Zum Beispiel mit großen Blättern (Rhabarber, Beinwell) oder einem alten Jutesack. Hält Feuchtigkeit und Wärme. 
  • Regelmäßig kontrollierenNicht austrocknen lassen, aber auch nicht zu nass. Wenn’s müffelt → mehr Luft, mehr Strukturmaterial (z. B. gehäckselte Zweige). 
  • Zeit geben Je nach Bedingungen dauert es 6 Monate bis 1 Jahr. Nicht hetzen – Boden braucht keine Eile, nur Fürsorge. 
  • Fertig? Dann nutzen! Komposterde sieben (wenn nötig) und in Beete oder Töpfe einarbeiten. Besonders gut für Tomaten, Zwiebeln, Erdbeeren. 
  • Lerne mit jeder Schubkarre dazu Kompost ist kein starres Rezept – sondern ein lebendiger Prozess.