Es ist August. Die Nachbarn schleppen volle Körbe mit Gurken aus ihrem Garten, und ich? Ich stehe zwischen meinen rankenden Pflanzen, die gerade erst ihre ersten Blüten zeigen. Kein Ertrag in Sicht, keine knackige Salatgurke auf dem Tisch. Einfach nur Geduld und ein bisschen Frust.
Und warum? Weil ich dieses Jahr den perfekten Aussaatzeitpunkt abgewartet habe. Ich habe mich bewusst nicht unter Druck setzen lassen. Und das hatte Folgen.
Der richtige Moment… der falsche Effekt?
Ich bin jemand, der sich beim Säen streng an den biodynamischen Kalender hält. Kein Aussaattag, kein Blattzeitpunkt wird ausgelassen. Wenn es gerade nicht passt, wird nicht gesät. Punkt.
Das hat Konsequenzen: Dieses Jahr war es lange zu nass, zu kalt, zu unausgewogen. Also habe ich geduldig gewartet. Und als es endlich passte, habe ich gesät mit dem Gefühl, alles richtig zu machen.
Und plötzlich waren die Pflanzen zwar gesund und vital, aber spät dran. Während um mich herum geerntet wird, beginnt mein Garten gerade erst mit dem Wachsen. Das bringt mich ins Grübeln. Ich denke über Kompromisse, Zeitfenster und darüber nach, wann Geduld zur Behinderung wird.
Ich bin fest vom Einfluss des Zeitpunkts überzeugt
Ich habe noch nie nicht nach dem Kalender gesät. Deshalb kenne ich es nicht anders. Für mich war die Qualität der Pflanzen immer gut. Sie sind kräftig, widerstandsfähig, wachsen in gesundem Rhythmus ohne unerklärliches Schossen, ohne übermäßigen Mangelwuchs. Ich bin überzeugt davon, dass der Zeitpunkt einen Unterschied macht.
Ich glaube auch: Wenn mehr Menschen wüssten, dass sie das Heranwachsen ihrer Nahrung so stark beeinflussen können, würden wieder mehr Verantwortung übernehmen, Neugier entstehen und damit mehr Verbindung zur Natur. Es geht nicht nur um „wann säe ich meine Gurke“, sondern darum, wie bewusst ich mein Tun auf etwas Lebendiges abstimme.
Heutzutage sind wir so verkopft, dass es auch Menschen wie mir schwerfällt, manche Dinge anzunehmen und umzusetzen.
Und trotzdem: Ich passe meine Praxis jetzt an
Dieses Jahr hat mir aber auch gezeigt: Wenn ich zu sehr auf den perfekten Moment warte, verliere ich manchmal den Lauf der Jahreszeiten. Die Ernte verschiebt sich. Die Tomaten werden vielleicht nicht mehr reif. Ich beginne, das erste Mal, etwas flexibler zu denken:
Ich bleibe beim geplanten Monat ,auch wenn der Tag nicht „ideal“ ist.
Ich betreibe später Schadensbegrenzung bei der Gartenarbeit, statt den Stillstand zu tolerieren.
Und: Ich bin nicht mehr auf der Suche nach perfekt, sondern nach passend.
Das ist ein echter Perspektivwechsel für mich. Und vielleicht auch eine Einladung an dich: Trau dich, Verantwortung zu übernehmen, aber bleib in Bewegung. Zwischen Kalenderweisheit und Alltagsrealität ist noch genug Platz für Gärtnerherz, Bauchgefühl und Leben.
Herzlichst,
Eure Katrin
PS: Ohne meine Töchter wäre dieses Timing manchmal gar nicht möglich
Manche Aussaataktionen klappen nur, weil meine Mädels mithelfen. Sie wissen mittlerweile, was ein „Wurzeltag“ ist und dass Möhren nicht einfach „irgendwann“ in die Erde kommen. Ich liebe diese Momente, wenn ich sie beobachte und ich weiß, dass das Gartenwissen weitergeht, auch wenn sie es nicht aus Gärtnerfreude sondern aus liebe zu mir machen.






