Die Fruchtbildung eines Baumes beginnt nicht erst, wenn sich im Frühjahr die Knospen öffnen. Schon viel früher entscheidet sich, ob Stamm und Äste genug Kraft haben, um Blüten und Früchte zu tragen. Unter der Rinde liegt das Kambium, jenes lebendige Gewebe, das Wachstum und Verjüngung steuert. Maria Thun hat dafür eine besondere Pflege entwickelt: die Baumpaste.
Schutz, Stärkung und Verjüngung
Sie wirkt unscheinbar, fast wie ein dicker Anstrich, und doch stärkt sie den Baum auf vielerlei Weise. Sie hilft, Wunden zu verschließen, die beim Schnitt entstehen. Sie bewahrt die Rinde vor Pilzbefall. Und wenn sie mehrmals aufgetragen wird, kann sie das Kambium regelrecht verjüngen. Ich habe sie bisher zweimal angewendet und habe den Eindruck, dass unser Walnussbaum seither gepflegter dasteht, fast so, als hätte er einen schützenden Mantel bekommen.
Zwischen Meditation und Handarbeit
Die Arbeit selbst unterscheidet sich deutlich von anderen biodynamischen Anwendungen. Hornmist oder Hornkiesel zu rühren hat für mich etwas Meditatives: die ruhigen Bewegungen, die Zeit im Garten, das Gefühl, mit jedem Tropfen etwas Lebendiges zu geben. Die Baumpaste verlangt anderes. Zuerst nehme ich eine Drahtbürste, reinige die Rinde und gehe damit Schritt für Schritt den Stamm entlang. Erst dann rühre ich die Paste an, verdünnt mit Regenwasser oder Schachtelhalmpräparat, bis sie sich wie eine zähe Leimfarbe streichen lässt. Mit einem Pinsel trage ich sie auf, nicht hastig, sondern sorgfältig, bis Stamm und Äste gleichmäßig bedeckt sind.
Jahreslauf und Pflege
Im Herbst, wenn das Laub abgefallen ist, stärkt diese Pflege die Rinde. Nach einem Schnitt der Obstbäume schützt sie die offenen Stellen, im Frühjahr bewahrt sie den Baum vor Krankheiten, die durch das wechselhafte Wetter leicht Fuß fassen. Dreimal aufgetragen – so heißt es – kann sie dem Kambium neue Jugend schenken.
Meine nächste Anwendung
Im November werde ich den Walnussbaum wieder behandeln. Es ist eine andere Art von Zuwendung, weniger still, weniger schwebend, doch auch sie bringt mich in Nähe zu dem Baum. Es ist Arbeit mit Händen und Bürste, ein sehr körperliches Tun. Und gerade darin liegt etwas Ehrliches: eine Pflege, die nicht nur über den Boden wirkt, sondern unmittelbar an der Rinde, dort, wo die Lebenskraft des Baumes atmet.
Herzlichst,
Eure Katrin






