Die sichtbare Handschrift des Tieres
Mist ist kein Abfallprodukt. Er ist eine Verdichtung dessen, wie ein Tier frisst, verdaut, lebt und mit seiner Umwelt verbunden ist. Seine Form, seine Wärme, sein Geruch, all das erzählt von inneren Prozessen. Wer Mist betrachtet, liest Landwirtschaft in physischer Gestalt.
Das klingt zwar irgendwie schräg, doch jetzt, wo ich mich immer mehr mit der Materie beschäftige, kann ich sagen, dass ich zumindest nachvollziehen kann, was sich so mancher dabei gedacht hat.
Schaf und Ziege – stark geformt und konzentriert
Schaf- und Ziegendung ist fest, klar geformt, oft bereits auf der Weide abgelegt. Die Tiere verwerten ihr Futter sehr effizient. Entsprechend konzentriert ist ihr Dünger. Er wirkt strukturierend, kräftigend und eignet sich besonders für magere Böden, allerdings in zurückhaltender Dosierung.
Pferd – rohfaserreich und hitzig
Pferdekot enthält viele unverdaute Pflanzenfasern. Durch den hohen Ammoniakanteil ist er „hitzig“. Im Garten kann man sich diese Eigenschaft zunutze machen:
Ein Loch graben, frischen Mist einbringen, Erde darüber und schon entsteht Wärme. Besonders im Frühbeet wirkt Pferdemist wie eine natürliche Heizung.
Schwein – kühl und ergänzungsbedürftig
Schweine holen sehr viel für sich selbst aus dem Futter heraus. Entsprechend enthält ihr Mist weniger der für Pflanzen wichtigen Stoffe. Schweinemist gilt als „kalt“ und sollte im Garten immer mit anderem Mist oder reifem Kompost gemischt werden, um ausgewogen wirken zu können.
Huhn – triebig und mineralreich
Hühner ernähren sich eiweißreich. Ihr Mist ist entsprechend stark, schnell wirksam und auch mineralbetont. Als reiner Dünger ist er zu scharf, verdünnt oder kompostiert jedoch ein wertvoller Impulsgeber. Er wirkt antreibend, im Guten wie im Übermaß.
Rind – die Kunst der Düngerkomposition
Rindermist nimmt eine Sonderstellung ein. Nicht wegen der Menge, sondern wegen seiner Qualität.
Manfred Klett beschreibt es so:
„Diese kosmisch-qualitative Analyse ist es, die den Dünger zubereitet für den ganzen Hof.“
In seinem Vortrag zur Düngung (Folge 8) erklärte Herr Klett, dass die Kuh das einzige Tier ist, das Düngekräfte komponieren kann. Durch ihren besonderen Verdauungsprozess verbindet sie kosmische, irdische und pflanzliche Kräfte.
Darum gilt Kuhdung in der biodynamischen Landwirtschaft als ideal zur Gesunderhaltung der Böden, nicht als schneller Nährstofflieferant, sondern als Träger von Ordnung, Rhythmus und Fruchtbarkeit.
Fazit
Mist wirkt nicht nur chemisch, sondern qualitativ. Wer ihn verstehen will, muss das Tier mitdenken. Biodynamische Düngung beginnt nicht im Boden, sondern im Stall und reicht weit darüber hinaus.
Herzlichst,
Deine Katrin







