Buch Garten Econook

Katrin, weißt du, … Aussaatkalender

Fragen und Antworten zum Gärtnern nach Maria Thun

Manchmal stoße ich in alten Kommentarspalten oder Foren auf Fragen, die viele von uns im biodynamischen Garten bewegen. Weil ich selbst inzwischen eine ganze Sammlung an Büchern, Übersichten und Notizen erarbeitet habe, möchte ich beginnen, diese Fragen hier nach und nach zu beantworten. Vielleicht helfen meine Gedanken dabei, Orientierung zu finden – und wenn weitere Fragen auftauchen, freue ich mich, sie aufzunehmen.

„Sind Erdbeeren keiner Kategorie zugeordnet, gehören sie evtl. zu den Fruchttagen?“

Erdbeeren zählen zu den Fruchtpflanzen. Wer sie pflanzen oder pflegen möchte, orientiert sich also an den Fruchttagen im Kalender. Nach der Ernte ist es sinnvoll, die Ranken ins Beet zu ordnen. In dieser Zeit kann auch reifer Kompost gegeben werden, am besten an Fruchttagen innerhalb der Pflanzzeit. So bekommen die Pflanzen eine gute Grundlage für das kommende Jahr. Wenn ihr mögt, schreibe ich an anderer Stelle gern ausführlicher über die Erdbeerpflege, denn es gibt einige kleine Handgriffe, die die Pflanzen kräftigen und den Ertrag verbessern können.

„Welcher Tag gilt wenn ich die Tomaten in den Tütchen vorkeime. Soll ich an dem Fruchttag anfangen mit der Vorkeimung oder am Fruchttag in die Erde setzen?! … Und wie lange brauchen die Tomaten dann zum Keimen…?“

Tomaten gehören zu den Fruchtpflanzen. Deshalb ist es stimmig, sie in der Pflanzzeit an einem Fruchttag zu säen. Mein Saatgut wandert direkt aus der trockenen Tüte in eine Schale mit Erde zur Anzucht. Sobald die Pflänzchen kräftig genug sind, setze ich sie in Töpfe oder ins Gewächshaus. Alle Pflegeschritte – vom Säen über das Pikieren bis hin zum Hacken, lassen sich gut an Fruchttagen ausrichten. Ob man die Körner nun in einem feuchten Tuch vorkeimen lässt oder gleich in die Erde gibt, spielt im Grunde eine untergeordnete Rolle: entscheidend ist der Zeitpunkt, an dem die Pflanzen tatsächlich mit Wasser in Berührung kommen und die Keimung beginnt.

„Wenn ich die Keimlinge das erste mal in die Erde stecke (also in ihre Töpfchen, im Gewächshaus) zählt das immer noch zur Aussaatzeit oder gehört das schon in die Kategorie Pflanzzeit?“

In den Büchern habe ich bisher keine klare Trennung zwischen Aussaat- und Pflanzzeit gefunden. Ich persönlich schätze es so ein: Solange es um Keimlinge geht – ob noch ohne Erde oder bereits pikiert – ordne ich es der Aussaat zu. Erst wenn die Pflanzen eine gewisse Größe erreicht haben und mit Wurzelmasse umgesetzt werden, etwa ins Beet oder in größere Töpfe, sehe ich darin eine Pflanzung.

Das ist meine Lesart, und ich möchte betonen, dass es hier keine strengen Regeln gibt, die mir bekannt wären.

„hallo, in welche kategorie fällt denn die zwiebel? wurzel oder frucht? … wenn ich die aussaat, bzw vokeimung am falschen tag machen mache, aber zum richtigen auspflanze oder einsetze, isses dann schon verkackt oder noch gerettet?“

Eine schöne Frage, die mich selbst lange beschäftigt hat. Zunächst zur Zwiebel: Sie gehört eindeutig zu den Wurzelpflanzen. In der Praxis bedeutet das, dass die Aussaat im September erfolgt, die kleinen Zwiebeln im November eingelagert und im Frühjahr wieder an einem Wurzeltag gesteckt werden. Auch Pflege und Ernte lassen sich am besten auf die Wurzeltage legen.

Und zur zweiten Überlegung: Wenn ein Arbeitsschritt einmal nicht am idealen Tag gelingt, ist dein Schützling in aller Regel nicht verloren. Die Pflanze verzeiht viel mehr, als wir oft denken. Wichtig ist, dass die folgenden Schritte – Stecken, Pflegen, Hacken, Ernten – dann möglichst konsequent an den passenden Tagen für das jeweilige Pflanzenorgan ausgeführt werden. So findet die Kultur immer wieder in den Rhythmus zurück.

„Weißt du zufällig inwieweit der Kalender für Mittelamerika zutrifft? Sind die Zeiten und Tage die selben wie in Europa?“

Im Grundsatz gilt der Kalender überall gleich – die Impulse des Mondes und der Gestirne verändern sich nicht von Kontinent zu Kontinent. Eine wichtige Ausnahme gibt es jedoch: Der Kalender von Maria Thun bezieht sich auf die Nordhalbkugel. Wer auf der Südhalbkugel gärtnert, muss Pflanzzeit und Nicht-Pflanzzeit vertauschen, damit die Arbeitsschritte wieder in den richtigen Rhythmus passen.

Im Kalender Aussaattage Maria Thun steht monatlich in der rechten Spalte ein Hinweis: „Pflanzzeit südliche Erde:“. Hier gibt es die genaue Zeitangabe. Alle anderen Daten können der üblichen Tabelle entnommen werden.
Im besonderen gibt es noch die Termine zur Samen-Ernte die ersten Monate.

„Kann ich Aussaattage von Maria Thun auch in Südamerika verwenden? Natürlich muss man die Jahreszeiten gegeneinander austauschen… Herbst ist Frühling, Sommer ist Winter etc…“

Ja, die Aussaattage lassen sich auch in Südamerika nutzen. Entscheidend ist dabei, auf welcher Halbkugel man sich befindet. Auf der Südhalbkugel müssen Pflanzzeit und Nicht-Pflanzzeit vertauscht werden, damit der Rhythmus wieder stimmt. Die Angabe der Jahreszeiten selbst ist zweitrangig – wichtiger ist die Einordnung in den größeren Zusammenhang von Pflanzzeit und Nicht-Pflanzzeit. So lässt sich der Kalender auch außerhalb Europas sinnvoll anwenden.

„Gilt der Kalender generell für drinnen und für Freiland? Oder ist es drinnen in der Wohnung egal wann ich aussäe?“

Die Kräfte der Gestirne wirken überall auf der Erde, unabhängig davon, ob wir im Freiland oder im Haus gärtnern. Deshalb lässt sich der Kalender auch bei Aussaaten im Innenraum berücksichtigen. Wer also auf der Fensterbank oder im Gewächshaus sät, kann sich ebenso an den angegebenen Tagen orientieren wie draußen im Garten. Die Pflanze reagiert auf dieselben Rhythmen – nur die äußeren Bedingungen wie Licht, Temperatur und Feuchtigkeit unterscheiden sich.

Herzlichst,
Eure Katrin