Aussaat nach Maria Thun

Als ich das erste Mal von der Aussaat nach Maria Thun hörte, war es eigentlich nur ein kurzer Moment. Ein YouTube-Video von Wurzelwerk, ein angehaltener Bildschirm, ein Klick, um den Kalender zu bestellen – und seitdem bin ich bekennender Fan der Biodynamik und Maria Thuns. Denn was ich dort fand, war nicht nur eine Tabelle mit Tagen und Symbolen. Es war der Zugang zu einer jahrzehntelang erprobten Methode, die zugleich tief im alten Wissen verwurzelt ist. Und für beides habe ich eine Schwäche: wissenschaftliche Studien, die über Jahrzehnte hinweg Beobachtungen verdichten – und überliefertes Wissen, das Generationen getragen hat.

Was bedeutet Aussaat nach Maria Thun?

Viele, die neu einsteigen, fragen: Was ist das überhaupt?

Kurz gesagt: Maria Thun hat über Jahrzehnte hinweg beobachtet, wie sich die Stellung von Mond und Sternbildern auf das Pflanzenwachstum auswirkt. Daraus entstand der Aussaatkalender, der zeigt, an welchen Tagen bestimmte Arbeiten besonders förderlich sind – ob Aussaat, Pflege oder Ernte.

Wurzel-, Blatt-, Blüten- und Fruchttage

Das Herzstück sind die vier Pflanzengruppen:

  • Wurzeltage – wenn Pflanzen wie Karotten, Kartoffeln oder Rote Bete besonders gut gedeihen.
  • Blatttage – günstig für Salate, Kohl oder Spinat.
  • Blütentage – für Blumen und Heilpflanzen.
  • Fruchttage – für alles, was Früchte oder Samen bildet: Tomaten, Kürbis, Bohnen.

So entsteht ein Rhythmus, der nicht ausgedacht wirkt, sondern aus der Natur selbst spricht.

Muss man das streng befolgen?

Manchmal werde ich gefragt, ob man unbedingt exakt nach dem Kalender arbeiten muss. Meine Erfahrung: Nein. Das Wetter, der Boden, die eigene Zeitplanung – all das spielt ebenso eine Rolle. Aber der Kalender ist ein wunderbarer Kompass. Er gibt Struktur, und dieses Gefühl von Ordnung ist für mich mittlerweile ein ganz wesentlicher Teil: Ich weiß, was ich tue, und warum ich es gerade jetzt tue.

Erste Schritte – ganz praktisch

  • Einen Aussaatkalender besorgen (Buch oder App).
  • Für den Anfang mit ein bis zwei Kulturen beginnen, zum Beispiel Radieschen oder Tomaten.
  • Beobachten, wie sich die Pflanzen entwickeln – Unterschiede zeigen sich nicht immer sofort, aber über die Zeit.
  • Offen bleiben: auch wenn ein „guter“ Tag verregnet ist, darf die Praxis pragmatisch bleiben.

Mehr als nur Praxis

In unserem kleinen Garten tummelt sich seitdem immer mehr Leben. Ich befinde mich selbst noch im Lernprozess – nach der Theorie folgt Stück für Stück die Praxis. Gerade nähern wir uns den biodynamischen Präparaten, eins nach dem anderen. Es fühlt sich an, als würde ich mich mit jedem Schritt mehr in einen größeren Kreislauf einweben.

Sehnsucht nach Gemeinschaft

Was mir noch fehlt, sind Gleichgesinnte. Biodynamisches Gärtnern ist noch wenig verbreitet, und doch wünsche ich mir Austausch. Denn dieses Wissen, diese Übersicht, wann was zu tun ist – sie soll nicht nur bei mir bleiben. Ich möchte, dass andere leichter Zugang finden.

Herzlichst,
Eure Katrin