Am Esstisch beginnt das Gartenjahr
Wenn es im Garten langsam ruhiger wird, verlagert sich die Arbeit nach drinnen. Für mich beginnt dann schon wieder die neue Saison, nicht mit Erde unter den Fingernägeln, sondern dort, wo alles endet: am Esstisch.
Hier bespreche ich mit meiner Familie, was im nächsten Jahr auf die Teller soll. Wir überlegen, ob wir neue Sorten ausprobieren wollen, wovon es zu wenig gab und wovon zu viel.
So entsteht eine erste Übersicht, die ich mit dem vorhandenen Platz in den Beeten abgleiche. Was muss nach der Fruchtfolge von Maria Thun wohin im nächsten Jahr? Ist dort genug Anbaufläche, oder brauchen wir zusätzliche Töpfe und Pflanzsäcke?
Große Umsetzungsstrategie für 2026
Ich habe schon viele Methoden ausprobiert, um im Garten den Überblick zu behalten, doch leider bisher ohne dauerhaften Erfolg. Ob Zettel und Stift, kleine Skizzen oder digitale Pläne: Alles habe ich nur im Frühling genutzt. Danach hat sich mein Elan meist wieder verabschiedet.
Nach dem Lesen der 1%-Methode wurde mir klar, dass es nicht an der Art meiner Planung liegt, sondern an der fehlenden Gewohnheit. Eine kleine, regelmäßige Handlung wirkt stärker als ein großer, kurzer Enthusiasmus.
Mein Vorhaben für 2026 lautet deshalb: eine Gartengewohnheit entwickeln.
Nach der Theorie kommt die Praxis
Beim Saatgut bin ich konsequent. In meinen Einkaufskorb kommt ausschließlich biologisches, samenfestes und, wenn möglich, biodynamisches Saatgut. Dabei greife ich auch einmal zu vorhandenen anderen biodynamischen Sorten. Für mich hat Biodynamik eine höhere Priorität als Sorte oder Bio-Siegel.
Das vorhandene Saatgut nutze ich in der Regel zwei Jahre. Was darüber hinausgeht, findet seinen Weg in Töpfe und wird anschließend vor dem Haus verschenkt. Daraus ergeben sich immer wieder nette Zaungespräche, Überraschungen über Sorten und ein freundliches Lächeln.
Saatgut kann man natürlich auch selbst sammeln. Ich mache das bisher nur bei den einfachen Gemüsen und Blumen, zum Beispiel bei Stockrose, Paprika, Lauch, Knoblauch, Salat und Tomaten. Noch liegt mein Fokus woanders, aber für mich ist es in Ordnung, wenn der Gedanke mitwächst.
Werkzeuge, die (leider) warten
Mit meinen Geräten war ich bisher nachlässig. Ich habe sie benutzt, wie sie da waren, stumpf, teils rostig und manchmal unauffindbar. Dabei weiß ich, dass auch sie Teil des Gartens sind. Werkzeuge tragen die Spur der Arbeit, die im Laufe eines Jahres für das Gemüse geleistet wird.
Dieses Jahr möchte ich sie pflegen, ölen und schärfen, nicht aus Pflicht, sondern aus Vorfreude auf das nächste Gartenjahr.
Das Eigenleben unterm Tisch
Mein Schuppen sehnt sich nach Ordnung, und das umzusetzen steht für den Winter ebenfalls an. Nur der Bereich unter dem Arbeitstisch ist ein blinder Fleck.
Zwischen Spinnen, Hummeln und Käfern stehen dort der Rasenmäher, Kartoffelsäcke, Poolutensilien, Töpfe und alte Erde, ein Sammelsurium ohne Zusammenhang. Doch dieses Jahr sorge ich für einen klaren Start ins neue Gartenjahr.
Auf dem Weg
Manchmal fühle ich mich dem Ideal des biodynamischen Gärtnerns weit entfernt. Doch vielleicht ist das der eigentliche Weg: das fortwährende Üben im Bewusstsein, dass jeder Handgriff Teil eines größeren Ganzen ist, auch wenn ich am liebsten alles gleich perfekt umsetzen würde.
Herzlichst,
Eure Katrin







