Ein stiller Mitarbeiter im Garten
Es gibt Gartenfreunde, die arbeiten unsichtbar, unermüdlich und ohne sich jemals zu beschweren. Einer von ihnen ist der Regenwurm. Für mich ist er der wahrscheinlich verlässlichste „Buddy“ überhaupt, wenn es um gesunde Böden geht. Darum möchte ich euch mit diesem Artikel auf die Wahnsinns-Werke des kleinen Helfers aufmerksam machen.
Von Unwissenheit zu Wertschätzung
Noch im letzten Jahr habe ich Regenwürmer aus Unwissenheit meinen Hühnern zum Fressen gegeben. Ich schäme mich heute dafür. Nicht, weil ich den Hühnern nichts gönne, sondern weil ich die gute Arbeit dieser Bodenbewohner damals nicht zu schätzen wusste.
Heute trage ich jeden Wurm, den ich finde, vorsichtig in einen Blumentopf. Dort können auch die Pflanzen auf meiner Terrasse von der wertvollen Erde profitieren, die er Tag für Tag erschafft. Jedes Mal empfinde ich Dankbarkeit dafür, dass er im Garten mitarbeitet, ohne jemals etwas zurückzuverlangen.
Wer sie sind und wo sie leben
In Deutschland leben etwa 40 Regenwurmarten, in Europa mehr als 100. Manche, wie die rötlichen Arten, halten sich vor allem in den oberen Bodenschichten auf, wo Pflanzenreste liegen. Andere, dunkel pigmentierte, graben sich tief in den Mineralboden ein und holen Nährstoffe von unten nach oben. Wieder andere sind die Meister im Kompost, wo es warm und reich an organischem Material ist.
Die Architekten der Krümelstruktur
Was sie alle gemeinsam haben: Sie graben, fressen und verwandeln den Boden. Jeder Regenwurm zieht beim Graben winzige Pflanzenteilchen, Humuskrümel und Mikroorganismen hinter sich her. In seinen Gängen bleiben stabile Krümelstrukturen zurück, die den Boden belüften und Wasser besser speichern lassen.
In einem einzigen Jahr können sie pro Quadratmeter zwischen 90 und 800 Dezitonnen ihrer typischen Kotkrümel ablegen. Das ist keine Kleinigkeit!
Nährstoffquelle und Lebensraum
Ihr „Wurmkot“ enthält ein Vielfaches an Nährstoffen im Vergleich zum umliegenden Boden: bis zu siebenmal so viel Stickstoff und Phosphorsäure, elfmal so viel Kali, doppelt so viel Kalzium und bis zu sechsmal so viel Magnesium. Kein Wunder also, dass Pflanzen in wurmreichen Böden kräftiger und widerstandsfähiger wachsen.
Auch die Bodenbiologie profitiert: Die Gänge der Würmer sind gesäumt von Bakterien, Pilzen und feinsten Ton-Humus-Komplexen. Wer einmal gesehen hat, wie ein scheinbar schwerer, lehmiger Boden nach einer Saison Regenwurm-Aktivität aufgeworfen und durchlöchert wird, weiß: Hier arbeitet ein Meister.
Ein Leben im Rhythmus der Jahreszeiten
Sie arbeiten mit Rhythmus: Ihre Aktivität schwankt im Jahreslauf mit Temperatur und Feuchtigkeit. Im Frühjahr, wenn der Boden erwärmt wird, legen sie richtig los. Im Sommer ziehen sie sich bei Trockenheit tiefer zurück, um dann im Herbst noch einmal richtig aktiv zu werden und die kleinen Erdhäufchen auf dem Boden produzieren.
Dank an die stillen Partner
Für mich sind Regenwürmer mehr als nur nützliche Bodenbewohner. Sie sind kleine Partner im Garten, die mit jeder Bewegung und jedem Bissen dazu beitragen, dass wir gesunde Lebensmittel ernten können. Ganz ohne Lärm, ganz ohne Maschinen tun sie das was sie am Besten können. Sie beleben unsere Böden.
Herzlichst,
Eure Katrin






